Bild

Liebe Freunde

7 Feb

otro mundo es posible

Liebe Freunde! Liebe Mitstreiter! Liebe Projektmitglieder!

Allen voran, möchte ich euch ein schönes, gutes, erfolgreiches, ausgeglichenes, kreatives, bewusstes neues Jahr wünschen.
Und uns allen, auch im Namen der Gemeinden hier vor Ort Danke aussprechen, das dieses einzigartige Projekt möglich ist.
Jahresanfang ist wohl der Moment für Rückblicke und Reflexionen und auch ein Moment dafür sich die Frage nach dem Fortgang des Projektes zu stellen.
Das heisst zum einen zu wissen, was die Möglichkeiten, Wünsche und Vorstellungen aller Beteiligten am Projekt sind. Lieber Niklas, Josef, Lutz und liebe Lucy ich würde mich freuen, wenn ihr ein bisschen berichtet was euch motiviert ein soziales Projekt, und speziel dieses Projekt zu unterstützen. Der Austausch ist gut und wichtig, liefert Sichtweisen damit das Projekt sich entwickeln kann, neue Horizonte suchen kann, alte festigen oder ablegen. Danke Leo, danke Franz für eure Kommentare, Meinungen und Beiträge, für eure so aktive Begleitung des Projektes, danke auch an Lutz und Lucy, die ihr mir oft durch euer offenes Ohr mehr Klarheit in mein Situation bringt. Ich denke wir alle haben uns mit diesem Projekt auf neues Land begeben, ein Projekt, das nicht den üblichen Strukturen eines Entwicklungshilfe Projektes entspricht und auch nicht sein will, wie allein schon der Name „Transnationale Solidaritäts-und Lernpartnerschaften“ sagt. Entstanden ist das Projekt mit der Idee eines gegenseitigen Lernens, Austausches und der Konstruktion einer besseren Welt, an der jeder von seinem ganz persönlichen Standpunkt und Möglichkeiten beteiligt sein kann. Für mich bedeutet es auf unabhängigen Weise in den Gemeinden sozialen und politischen Arbeit leisten zu können, flexibel, auf die sich stets wandelnden Kontexte und Bedürfnisse eingehen zu können und an keine starren Projektstrukturen gebunden zu sein. Diese Möglichkeit, direkt mit sozialen Bewegungen zu arbeiten, wo der Kompromiss in erster Linie den Gemeinden selbst gilt, ist einzigartig. Eine Freiheit, die in manchen Momenten aber auch drückend und schwer ertragbar ist. Auch gab es Momente mit Sehnsucht nach einer festeren Struktur und der Möglichkeit Verantwortung abgeben zu können, nach einem Arbeitsteams, einer direkten Rückmeldung „ der Chefetage“ oder einfach einem Rat, ob ich richtig liege oder mich völlig auf dem Holzweg befinde. Sicherlich sind das alle Elemente, die der Sozialarbeit und jedem unabhängigen Projekt eigen sind. Und so versuch ich sie auszuhalten und zu lösen oder sie der Zeit zu übergeben damit diese ihren Lösungbeitrag leisten kann.
Zurück zu euch, schreibt auch gerne, was ihr über die Berichterstattung auf unserem Blog denkt, lest ihr die Berichte, erscheinen sie euch interessant, sind sie zu lang, zu spezifisch, zu selten, welche Informationen und Einblicke würdet ihr gerne erhalten, habt ihr Anregungen, Kritik, Ideen oder Fragen? Hinterlasst auch gern Kommentare auf dem Blog!

Zeit vergeht

Fast drei Jahre intensiver Feldarbeit liegen nun hinter mir. Meine erste wirkliche berufliche Erfahrung, ich habe unglaublich viel gelernt, bin mit viel Enthusiasmus und vielleicht auch mit vielen Illusionen und einigen Utopien ins Feld gezogen. Die Realität hat mich viel lernen lassen, besonders, dass die Geduld und der Irrtum fester Bestandteil meiner Arbeit sind, Flexibilität und Strategiewandel grundlegende Tugenden sind, dass meine Vorstellungen und Ziele nicht (immer) die selben der Gemeinde sind und auch nicht wichtiger, als die der Gemeinden. Und ich habe gelernt meine Achtsamkeit für die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Gemeinde zu schärfen um eine für alle Beteiligten nützliche, bereichernde und konstruktive Arbeit leisten zu können. Im Vordergrund steht nicht ein a priori formulierter Arbeitsplan, auch wenn dieser immer existiert und Leitfaden ist, sondern vielmehr eine gemeinsame Konstruktion mit vielen Beteiligten, die Tag für Tag neu definiert, verteidigt und erarbeitet werden muss, wenn das Projekt nicht in starre, autoritäre oder bevormundende Strukturen verfallen will. Das Projekt wurde geboren mit der Grundidee zu mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit in den Gemeinden beizutragen. Ich habe mich aber auch in Situationen wiedergefunden, in denen die Gemeinden nicht nach mehr mehr Freiheit und Gerechtigkeit suchten und musste dies als ihren selbstbestimmten Weg respektieren.

Kurzgefasster Jahresrückblick:

Das  vergangene Jahr begann mit den grossen regional koordinierten Blockade auf den Zufahrtsstraße zur Mine LaAlumbrera

CIMG2886

Die folgende Stilllegung des Minenbetriebs, aufgrund fehlenden Materialnachschubs, wurde nach zwei Monaten mit Polizei und Militätgewalt beendet. Nach Auflösung der meisten Blockade (in Tintogasta feiert die Blockade allerdings in diesem Monat ihr einjähriges ununterbrochenes Bestehen) begann eine neue Phase der Unterdrückung, diesmal mit viel subtileren Formen, Angst in der Gemeinde säend. Dazu zählen die Individualisierung z.B. Entlassungen am Arbeitsplatz, Schüler,deren Eltern an den Blockaden beteiligt waren wurde von der Schule entlassen; eine Direktorin, vom regionalen Bildungsministerium abgesetzt, da sie die Räumlichkeiten und Inventar der Schule für verschiedene Aktivitäten zur Verfügung gestellt hatte, andern Orts wurde ein Pfarrer verwarnt, da er einen Gottesdienst auf der Blockade abgehalten hatte. Jugendlich berichteten sie würden nicht zur Blockade kommen aus Angst es könnte negative Konsequenzen bei der Arbeitsuche nach sich ziehen, es gab Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehle, andere Menschen wurden über Wochen Schritt für Schritt verfolgt. Es gab Drohbriefe, anonyme Anrufe etc….
Während des Sommers wurde die Idee und das Bewusstsein über die Notwendigkeit geboren eigene Daten, Information und Studien zu produzieren. Die Gesundheitstudie machte ihre ersten Schritte. Teils ebnete sich der Weg von alleine. An fast allen Orten, an denen ich das Projekt vorstellte, erhielt ich Zusprache und Bestätigung, jedoch je weiter sich die Orte geographisch der Mine näherten, wurde eine effektive Zusammenarbeit schwieriger. Viele anfängliche Zusagen, Interwietermine und Treffen wurden im letzten Moment abgesagt oder Daten verschwanden plötzlich. Anfänglich versuchte ich mit Verständnis, Geduld und Kreativität die Strategien neu zu erfinden, den geplanten Projektverlauf umzustellen. Irgendwann kamen aber auch Frust, Enttäuschung und das wachsende Bewusstsein dazu, dass ich das Thema unterschätzt hatte sowie die politischen Interessen, die dahinter standen. Heute weiss ich, dass dennoch viele wichtige Schritte getan wurden. Die Gesundheitstudie, auch wenn noch nicht in der Form wie anfangs geplant realisiert werden konnte, wurde zum Ausgangspunkt und zur Einganstür für die  Arbeit an vielen anderen (Krisen-) Punkten, die im Innereren der Gemeinde brodelten.

Historische Korruption, Abhängigkeit, Assistenz und Manipulation kennzeichnen die Beziehungen zwischen Bürger und Staat; die Abwesenheit eines Rechtsbewusstsein, sowie der Möglichkeiten Rechte effektiv einzufordern liefern einen äußerst fruchtbaren Boden für transnationale Unternehmen wie Barrick Gold, Yamana Gold, Agua Rica oder La Alumbrera und bieten einen schwierigen Untergrund um besagte Studien durchzuführen.

Aus sozialarbeiterischer Sicht betrete ich ein großes Feld mit vielen Fronten, Akteurren, Interessen, ungleichen Machtverhältnissen etc. Was anfangs aussah, wie der Widerstand gegen Goldminen, hat sich als komplexe Realität, mit vielen Facetten entpuppt. Ein Gewebe aus verschiedenen Konfliktherden, in dem das Thema Goldmine und ihre Konsequenzen mal im Vordergrund stand und mal völlig in den Hintergrund trat. Oft Schlüssel und Ventil war, andere tiefliegendere und strukturellere Probleme der Gemeinde, sichtbar und greifbar machte (wie beispielsweise das Thema Korruption, die nicht nur die lokale Regierung sondern nahzu alle staatlichen Institutionen durchläuft,  Gewalt in den Familien, die Rolle der Kinder in der Gemeinde, Verletzung sämtlicher Grundrechte, Umweltverschmutzung und –zerstörung etc.)

Ich erinnere an dieser Stelle an einen meiner Grundgedanken zur Projektentstehung „Überzeugt, dass ein wahrer Wandel von unten beginnt“. Gemeint ist damit der Wandel im Bewusstsein der Menschen, ihrem Denken und Handeln, und somit ihrer Autonomität und Freiheit oder eben Abhängigkeit. In Bezug auf Goldminen, als Teil eines globalen Produktions- und Ausbeutungsmodels, muss ich jetzt hinzufügen, dass eine politische Entscheidung über den Fortbestand der Minen nicht in Belen oder Andalgala getan werden kann (vielleicht hab ich dass anfangs geglaubt) und wahrscheinlich nicht einmal auf argentinischer sondern vielleicht nur auf internationaler Ebene getroffen werden kann.

Die Gemeinden habe in den letzten Jahren eine enorme Arbeit geleistet, sichtbar zu machen, was in ihren Territorien geschieht, wurden dabei selbst zum Beispiel und zur Bühne, auf der sich schlimme Formen der postkolonialen Unterdrückung und Ausbeute sowie die Mechanismen mit denen die transnationalen Unternehmen heute handeln, darstellen.
Vielleicht sind dies die Möglichkeit (das Sichtbarmachen) aber eben auch die Grenzen der Möglichkeiten der Gemeinden.

Ich beginne hier mein Arbeitsfeld, als „Sozialarbeiter in sozialen Bewegungen“ besser begrenzen zu können, ohne dabei die Gemeinde aus der Sicht zuverlieren und auch nicht die Eingangsproblematik.

 

Blicke in die Zukunft

Nach diesen drei Jahren der intensiven Gemeindearbeit, steht nun vielleicht eine neue Phase an: die Problematik weiter hinaus zu tragen. Damit kann ich mir beispielsweise vorstellen auf anderen Ebene Beiträge zu leisten,  an international (sozial) Foren teilzunehmen,  etc.
Ich denke, dass ich an einen Punkt angelangt bin, an dem ich mich aus der direkten Feldarbeit in Catamarca etwas zurückzuziehen sollte. Zum einen weil es grad keine direkten Demandas der Gemeinden gibt, zum anderen, weil ich die derzeit existierenen Informationsquellen ausgeschöpft habe und vielleicht auch aus Sicherheitsgründen. Ich habe viel wichtige Information und Daten im letzten Jahr gesammelt und will nun einfach nicht weiter ins Augenlicht der Pro-Minensektoren fallen, da ich eventuell, „zu viel weiss“. Ich glaube es ist in diesem Szenarium der Menschenrechtsarbeit, in korrupten Kontexten und der Anwesenheit paramilitärer Gruppen wichtig, regelmässig die Akteure (also mich) auszutauschen, nicht zu lange vor Ort zu sein um sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Keine Sorge, ich habe weder direkte Drohungen noch ähnliches erhalten, sondern einfach nur ein Bauchgefühl, dass mir sagt ich sollte mich eine Weile aus dem Fokus zurückziehen.

Im konkreten heisst das, dass ich die Arbeit vor Ort in Belen und Andalgala zurückschrauben möchte, nicht mehr jeden Monat dorthin reisen werde.

Dennoch werde ich weiter in Kontakt mit den Gemeinden bleiben und bei konkreten Projekten und Problemen zur Verfügung stehen. Mich erstmal auf die Systematisierung des Materials konzentrieren und andere Räume suchen, wie weiter oben schon erwähnt.
Bei soviel zum Thema Minen, habe ich die anderen Projekte ganz ausser Acht gelassen, vielleicht einfach weil sie nicht Sorgenkind sind, sondern sich fast wie von selbst entwickeln . Dazu gehören die Arbeit in den Gemeinden im ländlichen Raum im Nordwesten Cordobas, die “Coordinadora ambiental y de Derechos Humanos de las Sierras Chicas“, die ich seit anderthalb Jahren auf verschiedene Weise begleite. Die Arbeit mit der Coordinadora macht mir sehr viel Freunde und ich möchte sie auch gerne weiterführen.
Zu den weiteren Projekten des letzten Jahres gehört auch eine neue Bürgerbewegung gegen die Installation einer Samenproduktion Fabrik von Monsanto in einer der ärmsten Gemeinden Cordobas. Ich konnte bisher einzelne Beiträge leisten, meine „berühmten“ Rechtsbildungs-Workshops und die Organisation einer Reihe von Dokumentar-Kino-Veranstaltungen etc.

Ein großer Unterschied zwischen meiner Arbeit hier in Córdoba und der in Catamarca ist, dass es hier in der gesammten Provinz Cordobas viele Netzwerke, Gruppen, Individuen gibt, die sich beteiligen, sich interdisziplinäre Arbeitsteams bilden und die Arbeit aus dieser Hinsicht einfach bereichend ist und eine ganz andere Qualität, als die Einsamkeit in den Bergen Catamarcas hat.

Ich plane eine Deutschlandreise im kommenden Sommer (irgendwann zwischen Juni und August). Wenn ihr vielleicht Gruppen, Menschen, Organisationen kennt, die an der Thematik und Problematik interessiert sind (damit mein ich Menschenrechte, Menschenrechtsbildung, Grundrecht auf Trinkwasser, Transnationale mega-Minen-Projekte, Ausbeute von Primärgütern, Nord-Süd-Gefälle etc), die sich über Material, Vorträge, Diskussionsrunden oder ähnliches freuen würden, dann sagt Bescheid. Ich wurde mich freuen meine Arbeit teilen und mitteilen zu können.

Soweit nun von mir. Ich wünsch euch allen alles Gute und schick euch viel Sonne in den deutschen Winter. Schön dass es euch gibt.

Eure Domi

Cruzada de las sierras chicas

10 Dez

Am letzten November Wochenende fand die “Cruzada de las Sierras Chicas – por la soberania del agua y de la tierra” statt. Eine dreitägige Karawane die knapp 50 Kilometer über die Bergkette “sierras chicas” im Nord-Osten Cordobas führte.

Die Idee wurde Ende August in einem meiner Workshops geboren, während einer  Disskusion was wir nun mit all dem erarbeitetem Wissen tun könnten. Weder ich noch einer der Teilnehmer konnte sich zu dem Moment, fröstelnd im Gemeindesaal von Villa Ani-Mi, auch nur annähernd vorstellen, welch grosses Ereigniss tatsächlich daraus werden würde und geworden ist.

reunion1

Selbst in den letzten intensiven Wochen der Vorbereitungen, der all wöchtlichen Treffen, dem riesen Berg an bürokratischen Krams (Genehmigungen, Schlafplatzsuchen, Difusion, Pressekonferenzen, Materialerstellungen Interwies etc.), kamen immerwieder Zweifel auf ob sich all die Anstrengungen lohnten. Aber es hat sich gelohnt und zwar voll und ganz.

Aber nun mal zum konkreten.  Es gab zwei Gruppen.

grupo alto

Eine kleine interdisziplinare Gruppe (Geologen,  Sozialarbeiter, Biologen, Antropologen, Reporter, etc) nahm den oberen Weg über die Bergspitzen, um die Situation des Gebiets technisch zu dokumentieren (Wasserquellen, Flora, Fauna und Gesteinsmerkmale, Siedler (die Experten unter den Lesern haben bestimmt ihre Fachausdrücke dafür ;-)). Es gib bislang keine technischen, offiziellen Studien über die Region.

Und eine große Gruppe die den unteren Weg nahm und dabei die 10 dort liegenden Gemeinden durchquerte.

Hunderte Anwohner nahmen teil, zu Fuß, per Pferd, Fahrrad, Moped oder Auto.

CIMG3341

Das Ziel der Karawanne war es, der Problematik der Wasserknappheit in der Region Visibilität zu verleihen und die offiziellen Erklärungen zu entmaskieren. In den Medien wird die Wasserkrise mit der Trockenheit, dem Ausbleiben von Regen, dem Klimawandel begründet. Sicherlich sind es Faktoren, die ihren Teil beitragen, aber das Grundproblem ist kein klimatisches sondern sozial-ambiental und politischer Natur, angefangen bei der Entwaldung und Bodennutzung bis hin zum Bevölkerungswachstum und zur ungleichen Verteilung der Wasserressourcen, willkürlicher Urbanisierungsprojekte und dem Fehlen einer integralen territorialen Planung mit Partizipation der Bevölkerung. (Ich schrieb in vorherigen Berichten bereits über die Situation).

CIMG3358

Es war auch eine Einladung zur regionale Vereinigung, gemeinsam über die Wichtigkeit des Kollektiven zu reflektieren und sie in Praxis umzusetzen, gemeinsam zu handeln-und ein Projekt mit einer sozial-ambientalen und partizipativen Vision bezüglich der Territorialität zu stärken, eine Einladung, die von vielen angenommen wurden.
Jede Gemeinde hatte künstlerische und kulturelle Interventionen organisiert.

mil grullas

 

 

 

 

 

 

In einer der Gemeinden kamen die Bürger zusammen um 1000 Origami Papier-Kraniche zu falten, nach einem japanischem –Brauch: 1000 Kraniche für einen Wunsch: „dass der einheimische Wald am Leben  bleibt“,

grullas cruzada

In einer anderen Gemeinde musizierten Kindergärten und Musikschule, in einer wiederum anderen wurde ein Mural- eine Wand zur Thematik bemalt.

Es gab Führungen zum Erkennen und Nutzen von regionalen medizinalen Pflanzen, lokale Bands und Tanzgruppen traten auf, andern Orts wurden hunderte Stecklinge einheimische Bäumarten, die vom Aussterben bedroht sind, gepflanzt.

CIMG3354

Die Aktion hat alle Erwartungen übertroffen. Mit der Cruzada entstand dieser Raum der Artikulation, mit großer Teilnahme an diesem so interessanten Prozess, an dem sowohl die lokalen Problematiken Ausdruck finden konnten, die die Bürger Tag für Tag in ihren Gemeinden leben und gleichzeitig auf regionaler Skala gedacht werden konnte, wie man die Konflikte bezüglich des Wassers und des Landes lösen kann. Wasser, Wald und  Boden lassen sich nicht durch Gemeindegrenzen fragmentieren oder trennen und brauchen gleichzeitig Strategien auf Gemeinde, Provinzialer und Nationales Ebene. Mit der Karawanne liessen sich diese Räume artikulieren.

Alle lokalen und sogar ein nationaler Fernsehsender berichteten, die Karawanne schaffte es auf mehrere Titelseiten. Universität, Politiker und Ministerien haben bereits Vorschläge gemacht und Anfragen gestellt. Das Netzwerk „Coordinadora Ambiental y de Derechos Humanos“ hat sich in sich gefestigt und wächst und wächst von innen heraus und ist nach außen zu einem zu respektierendem kollektiven Akteur gediehen, mit einer klaren Identität und konkreten Forderungen.
In diesen Tagen werden konkrete Vorschläge und Forderungen sowohl in jeder Gemeinde als auch der provinzialen Regierung eingerecht (wie beispielsweise die Deklarierung von Naturreservaten und Nationalparks und gleichzeit die Forderung nach einem partizipativen territorialen Ordnungsplan der gesamten Zone, um den willkürlichen Urbanisierungsprojekten für Eliten die Grenzen zu weisen.

Zum Schluss noch ein kleiner visueller Eindruck vom ersten Tag:

www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=fvZ5tYydApw

und für die spanischsprachigen, die noch nicht genug haben, hier noch die Broschüre die ich für die Coordinadora zusammengestellt habe:

CARTILLA COADDHHSCH VERTICAL

24 Nov

Nach sechs Monaten intensiver Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „coordinadora ambiental y de derechos humanos“ in den Bergen von Cordoba, gehts heute los. eine drei tägige Überquerung der Bergkette um die graviernde Wasserkriese in der Region zu visibilisieren. die Wanderung wird von Norden nach Süden durch 10 Gemeinden führen. ein toller kollektiver Prozess.

ich werde nächste Woche ausführlicher berichten.

Projektstand

22 Okt

BELEN:
Der allgemeine Gemütszustand der Gemeinde ist weiterhin labil und sehr von äußeren Umständen beeinflusst und abhängig. War es im August die Wut, die der Tod von den zwei Kindern an Leukämie ausgelöst hatte, die die Notwendigkeit einer Gesundheitsstudie in Verbindung mit der Mine in der Vordergrund rückte und die Menschen zur aktiven Mitarbeit motivierte. So war es nun der von Minenbefürwortern, niedergebrannte Versammlungsort der Asamblea im Nachbarort, vor zwei Wochen, der diesen Funken wieder im Keim erstickte. Die Angst sich in Aktivitäten zu involvieren, die direkt mit dem Thema Goldmine in Verbindung stehen überschatten wieder die Arbeit in Belen, von daher gibt es keine konkreten Fortschritte bezüglich der Gesundheitsstudie. Dennoch, das Projekt steht und wartet bis die Zeit reif dafür ist.
Gemeinsam mit der Gemeinde, mit Hilfe von Ärzten und durch Gesundeheitsstudien die in ähnlichen Umfelder realisiert wurden, ist ein Analyseschema entstanden, dass die integrale Gesundheitssituation in verschiedenen Teilbereichen darstellt.

Körperliche Gesundheit:
Krebs, Leukämie, Atemwegserkrankungen, Hauterkrankungen, Schwermetalle im Blut und Urin, Frühgeburten, spontane Schwangerschaftsabbrüche, Missbildungen bei Neugeborenen, Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom, Nierenerkrankungen.

Gemeinschaftliche Gesundheitssituation:
-Fragmentierung der Gemeinde, Konfrontationen zwischen Bürgern (pro und kontra Mine)
– Zerstörung des Gemeindegefühls, des sozialen Miteinanders, der Harmonie in der Gemeinde
-Häusliche/intrafamiliäre Gewalt/ ansteigende Gewaltsituationen (vor allem) in Familien mit Mitglieder, die in der Mine Arbeiten
-Alkoholismus
-Prostitution
-“con la llegada de grandes capitales y de gente de afuera se generaron actividades y costumbres ajenas a esos territorios.”

Psycho-soziale Gesundheit der Gemeinde:
– Angst aktiv und öffentlich an Aktivitäten teilzunehmen, die Meinung bezüglich der Mine zu äussern -> Angst vor Vorurteilen, Rumor, gestempelt zu werden, Angst den Arbeitsplatz zu verlieren
-Zunkunftsangst
-Verfolgungsangst

Außerdem ist die Studie nicht Selbstzweck sondern eben auch ein Mittel, Weg und Auslöser, bei dem sowohl die Studienergebnisse, als auch die Arbeitsmethode, (systematisch die Daten, bei Haus-zu-Haus Befragungen zu erfassen), grad in den Hintergrund rücken.
Ich denke was wichtig und essenziel in unserem Projekt ist, ist eben diese Möglichkeit der Flexibilität. Meine regelmäßige Anwesenheit vor Ort und der enge Kontakt zur Gemeinde, ihren Bedürfnissen, der Kompromiss mit den Bürgern und ihren Prozessen, stehen über den Anforderungen, spezifische Daten präsentieren zu einem bestimmten Zeitpunkt präsentieren zu müssen, die verhindern würden auf die Gemeinde einzugehen.

So haben wir die mögliche Zusammenarbeit mit einer NGO aus Catamarca wieder abgebrochen, da sie nur an Ergebnissen, nicht aber an den lokalen Prozessen interessiert war und auch nicht auf sie eingehen wollte.
Viele der in der Gesundheitsstudie enthaltenen Themen, werden nun Stück für Stück erarbeitet. Und im Vordergrund steht: die Gemeinde von innen zu stärken.
Die Aufmerksamkeit wendet sich auch anderen Themen zu, die nicht direkt die Mine betreffen. Beispielsweise rückten, bei der Untersuchung der lokalen Verteilung der Krebserkrankten, die PVC enthaltenden Hochspannungskästen, die ins Auge. Diese sind zwar offiziell längst verboten, eben weil sie krebserregend sind, werden aber weiterhin in Belen benutzt. Nach den bisherigen Untersuchungen, fällt auf, dass sich die Krebsfälle in der direkten Umgebung der Kästen häufen. Erste Forderungen an die örtliche Regierung sind formuliert diese Kästen zu entfernen. Antwort gibt es noch keine.
Ende September haben wir ein dreitägiges Genderforum organisiert. Vorträge, Arbeitsgruppen, Kampagne, Diskussionsrunden, Workshops, Filmabende und natürlich zum Abschluss una gran fiesta! Es ging um Gender im allgemeinen, kulturelle Faktoren, Politik, sexuelle und reproduktive Rechte, Gewalt in Institutionen, Politik und natürlich im privaten Bereich, HIV, Familienplanung und, und, und. Wissenschaftler, Aktivisten, Betroffene aus verschiedenen Teilen des Landes steuerten ihre Beiträge zu oder hielten ihre Vorträge und Workshops.
Ich hatte es neben meinem Schwerpunktthema „Gewalt“, gewagt Materialien vorzubereiten zum Thema Abtreibung. In Argentinien sind Abtreibungen rechtlich verboten. Dennoch werden sie praktiziert, oft mit äußerst gefährlichen und nicht professionellen Methoden und ohne sanitäre Konditionen, beispielsweise mit Stricknadeln, Einläufen mit chemikalischen Substanzen etc. Eine hohe Sterberate und irrevertible Gesundheitsschäden sind die Folgen.
„Misoprostol“, ist wohl eines der sichersten Medikamente, mit dem Frau alleine zu Hause abtreiben kann, es wurde sogar von der Weltgesundheitsorganisation dazu anerkannt und kommt besonders in Lateinamerika zum Einsatz. Dennoch ist die Information um dieses Medikament wenig verbreitet. Es ist günstig in Apotheken zu erhalten und birgt kaum sekundäre Gesundheitsrisiken.
In dem Fall, dass es dennoch zu Komplikationen kommt, ist es nicht nachweisbar ob der Schwangerschaftsabbruch, herbeigeführt wurde oder natürlicher Art ist. Was einen großen Sicherheitsfaktor für die Frauen darstellt, um einen Arzt aufzusuchen (da sie keine Angst haben braucht man könne ihr nachweisen bewusst die Abtreibung herbeigeführt zu haben und sie daher auch keine Anzeige/Gefängnisstrafe zu fürchten hat).
Ich hielt es für notwendig über diese Methode aufzuklären, da es auch in Belen in den letzten Jahren zu mehreren Todesfällen in Folgen von häuslichen Abtreibungen kam. Gleichzeitig erarbeiteten wir Strategien die rechtlich gesicherte, aber effektiv nicht stattfindende, Ausgabe kostenloser Verhütungsmittel einzufordern.
Seit drei Jahren gibt es ein gutes Gesetz, laut dem Sexualkunde ein Pflichtfach in den Schulen sein muss, in dem die Sexualität in ihren körperlichen, affektiven und sozialen Aspekten behandelt werden soll, und zwar in allen Klassenstufen. Unter Lehrern löste es Panik aus, Sexualität bleibt ein Tabuthema, Aufklärung findet in den meisten Familien nicht statt und viele Lehrer wissen nicht, wie sie mit den Kindern und Jugendlichen über die Thematik arbeiten können. Daher werden Lehrerfortbildungen veranstalten, die auf diese Aufgabe vorbereiten sollen, in Belen werden diese Fortbildungen von Nonnen eines erzkonservativen Ordens geleitet. Das kam während des Genderforums ans Licht. Worauf hin wir nun eine Forderung an das Bildungsministerium gestellt haben, andere Fortbilder zu schicken.
Ein anderes Thema, das Künstlerwochenende steht wieder an. Lange haben wir überlegt ob dies Jahr die nötigen Kräfte und finanziellen Mittel vorhanden sind, um es zu organisieren. Aber dann stand fest, es war ein so großer Erfolg im letzten Jahr und außerdem brauchen alle eine wohltuende Aktivität für Geist und Seele, Freude, Lachen und kreatives Schaffen! Nur haben wir es in diesem Jahr auf Dezember verschoben.
Denn ich bin hier in Córdoba bis Ende November voll eingespannt, aber dazu mehr beim nächsten Mal.

ZEIT- Artikel

14 Okt
Ein nett geschriebener und autentischer Artikel, der vor kurzem in der ZEIT erschien. Es freut und erschreckt mich gleichermasser mich, dass das Thema in den ausländischen Medien so viel Aufmerksamkeit gewinnt, während es hier kaum aufgegriffen wird. Die internationale Aufmerksamkeit und Druck werden, sicherlich ein tragende Rolle spielen um die untragbare Situation auf Dauer nicht mehr aufrecht halten zu können.

Argentinien Das Gift aus den Bergen

( Von Christoph Gurk)

In Lateinamerika mehren sich die Widerstände gegen den Minen-Boom – ein Besuch in Argentinien.

Der Weg zur Würde ist steinig und beginnt kurz hinter Famatina, einem Dorf in der Provinz La Rioja, in Nordargentinien. Wie ein Lineal durchschneidet die Landstraße hier die karge Hochebene. Steine, Sträucher, Kakteen, dann ein Wegweiser, »La Dignidad« steht darauf, »die Würde«, bitte links abbiegen.

Am Ende der Schotterpiste sitzt Carina Díaz Moreno und isst Kanincheneintopf von einem Plastikteller. Sie ist Sportlehrerin, 37, und war schon gestern hier, genauso wie vorgestern und all die Tage zuvor. Fragt man sie, wann sie eigentlich zu Hause ist, atmet sie tief ein und sagt: »Wenn ich es schaffe.«

La Dignidad haben sie das Camp getauft, das sie neben der Straße errichtet haben. Es ist Mittag, die Sonne scheint, in der Gemeinschaftsküche gibt es Essen, zwischen Zelten stromern Hunde. Eine Brise zupft an den Transparenten, die überall hängen. »El Famatina no se toca« steht darauf: Finger weg vom Famatina. So heißt nämlich nicht nur das Dorf, so heißt auch das 6250 Meter hohe Bergmassiv, dessen schneebedeckte Gipfel hinter den Zelten in die Wolken ragen, eine Wand aus Stein mit einem Panzer aus Eis. Um Famatina zu schützen, blockieren Carina Díaz Moreno und ihre Nachbarn seit Januar die Schotterstraße.

Der Grund: 2011 unterschrieb der kanadische Bergbaugigant Osisko einen Vertrag mit der Minengesellschaft der Provinz La Rioja. Auf 40 Quadratkilometern darf er nun das Gold von Famatina schürfen. Im Gegenzug verspricht das Unternehmen Arbeitsplätze, Infrastruktur und Steuern – eine große Chance, sagen Politiker. Ein schlechter Tausch, sagt Carina Díaz Moreno.

Gold, Silber, Kupfer, Zinn: Der Preis solcher Metalle ist in den vergangenen Jahren an den Weltmärkten emporgeschnellt. Das hat Lateinamerika einen einmaligen Rohstoffboom beschert. Ein Riesengeschäft – von Feuerland bis Mexiko empfängt man Bergbaufirmen jetzt mit offenen Armen, plant gigantische Bergwerke. Chile ist heute der größte Kupferproduzent der Welt, Brasilien ist drittgrößter Eisenexporteur, und aus Peru kommt ein Großteil allen Silbers.

Carina Morenos Familie wohnt seit vier Generationen in dem Dorf Famatina. Kleine Häuser, staubige Straßen, 6.000 Einwohner. Viele leben von der Landwirtschaft, von Nussbäumen. Gerade ist Erntezeit, die Schalen haben die Hände der Bauern blau gefärbt. Die Region ist dünn besiedelt, es mangelt an Geld, einen Schatz, meint man, könnten sie hier gut brauchen. Doch stattdessen sagt die Frau: »Der Kampf ist ein Teil unseres Lebens geworden.« Schon einmal, 2007, wurden sie und ihre Nachbarn von einem Bergbauunternehmen vertrieben. Finger weg vom Famatina.

Es gibt inzwischen viele Famatinas in Lateinamerika. In Peru, Ecuador, Paraguay, Chile – überall protestieren Menschen gegen Minen. Mehr als 160 Konflikte listet die Organisation Observatorio de Conflictos Mineros zurzeit für Lateinamerika auf, die meisten sind vor zehn bis 15 Jahren ausgebrochen. Seitdem haben sich Bauern, Nachbarn und Ureinwohner in den betroffenen Regionen zu Organisationen zusammengeschlossen. Sie sind über das Internet vernetzt, und so bildet sich eine immer breitere Front gegen den Bergbau.

Nun ist Bergbau nicht gerade neu in diesen Breitengraden. Schon die Inkas bauten Gold und Silber ab, dann kamen die Spanier und danach internationale Konzerne. Es gibt Dörfer, in denen bereits die Großeltern in den Minen schufteten. Doch etwas hat sich verändert.

Man muss zurück, über die Schotterpiste und dann nach rechts, 30 Kilometer, bis nach Chilecito. Dann kann man erfahren, wie es früher war. Dort, in den Hügeln über der Stadt, verrosten die Stahlstreben von Bleichert & Co. 1903 baute die Leipziger Firma im Auftrag der englischen Famatina Development Company die damals längste Kabelseilbahn der Welt, 35 Kilometer, von Chilecito bis zur Mine La Mejicana, auf 4.600 Metern. Jeden Tag wurden 400 Tonnen Gestein aus den Stollen tief im Berg geschafft.

Doch das ist lange her, die Mine ist nun eine Touristenattraktion. Bergbau in Südamerika funktioniert heute anders. Wie? Auch das ist zu besichtigen. Nach der Schotterpiste biegt man links ab, 300 Kilometer sind es bis zur Mine Bajo de la Alumbrera. Hier werden seit 1997 Kupfer und Gold abgebaut. Statt mühsam Stollen in den Berg zu graben, sprengen die Betreiber ihn einfach von oben her ab. 330.000 Tonnen Gestein werden jeden Tag verarbeitet, mehr als 800-mal so viel wie einst in La Mejicana.

18 Bergwerke sind in den vergangenen Jahren in Argentinien in Betrieb gegangen, und in zwei Dritteln von ihnen wird wie in Bajo de la Alumbrera über Tage gearbeitet. Auch in Peru, Chile und anderswo entstehen fast nur Tagebauminen.

Das hat Folgen. Ein paar Dutzend Kilometer von Bajo de la Alumbrera entfernt, am Fuß der Berge, liegt Andalgalà 18000 Einwohner, einstöckige Häuser, die Hitze hat das Leben langsam gemacht. Vor dem Haus von Sergio Martinez muss man klatschen, eine Klingel gibt es nicht. 42 ist er, grauer Kinnbart, schmächtiger Körper, ein Medaillon der Mutter Gottes um den Hals.

»Als die Mine kam«, sagt er, »haben sich hier alle gefreut.« Wegen der 6.000 Arbeitsplätze, die man versprach, der neuen Straßen, des Krankenhauses und der großen Zukunft. Doch wenig davon kam. »Maximal 70 Personen aus Andalgalà arbeiten heute in der Mine«, sagt Martinez, »und das Krankenhaus kann nicht viel mehr als Erste Hilfe.«

Es gehe ihm jetzt, sagt Martinez, ums Überleben. Seit Jahren kämpft er gegen die Mine, mittlerweile ist er Umweltsekretär von Andalgalà. Martinez spricht ruhig und eindringlich, wie ein Arzt, der eine tödliche Krankheit erklärt. In modernen Minen wie Bajo de la Alumbrera, sagt er, werde das Gestein nicht mehr per Kabelseilbahnen ins Tal geschaukelt. Die Brocken werden zu Pulver zermalmt und mit Wasser verrührt. Dieser Gesteinschlamm wird dann durch Pipelines zu Filteranlagen gepumpt.

Martinez hat einen kleinen Garten. An einem Holzgerüst wächst Wein, dicke Trauben, dunkelblau und süß, er muss die Pflanzen jeden Tag gießen. Früher, sagt er, habe es hier 16 Kellereien gegeben. Heute sei es nur noch eine, denn die meisten Bauern hätten Wasserprobleme, seit es die Mine gibt. Martinez wohnt in einem einstöckigen Haus, die Jalousien sind heruntergelassen, er hat gerade erst Siesta gemacht. Es ist düster, in der Küche summt der Kühlschrank, im Spülbecken stapelt sich Geschirr. Früher, sagt Martinez, konnte man das Wasser aus dem Hahn trinken.

Um das Metall herauszulösen, wird der Gesteinschlamm oft mit Chemie verrührt. Bei Gold ist das meist Zyanid. Wie giftig die Chemikalie ist, zeigt das Beispiel Baia Mare in Rumänien: Dort brach im Frühjahr 2000 der Damm eines Beckens mit Minenrückständen, Zyanid strömte in die Flüsse, es kam zu einem gigantischen Fischsterben.

Die Firma behauptet: Bajo de la Alumbrera trenne das Gold und das Kupfer mechanisch ab. Aber stimmt das? Kurz nach Eröffnung schon kamen die ersten Beschwerden von Bewohnern eines nahen Dorfes. Sie sagten, die Mine habe ihren Fluss vergiftet. Wahr oder hysterisch?

2010 veröffentlichten vier Ärzte aus Andalgalà einen Bericht. Fünf Jahre lang hatten sie das Auftreten von seltenen Krankheiten in der Stadt untersucht: Überdurchschnittlich oft kamen Knochenkrebs, Multiple Sklerose und Atemwegserkrankungen vor. Alle seien auf Bajo de la Alumbrera zurückzuführen. Immer wieder gab es Klagen gegen die Minenfirma, mal wegen Verschmutzung und mal wegen Betrug, bisher lehnten Gerichte alle ab.

Fragt man die Vereinigung der Minenbetreiber in Buenos Aires nach diesen Dingen, geben sie geschliffene, selbstbewusste, auf ihre Weise auch wiederum überzeugende Antworten. Umweltprobleme und Gesundheitsschäden? Sie drücken einem Studien in die Hand, die das Gegenteil belegen. Die Unzufriedenheit der Menschen, die enttäuschten Hoffnungen, die fehlenden Jobs? Startprobleme. Kleine Hindernisse auf dem Weg zum Reichtum.

In Famatina protestieren heute nicht mehr alle. Kürzlich noch hatten Bewohner einen Manager der Minenfirma beim Besuch ihres Dorfes entdeckt. Sie schlugen Alarm, der Pfarrer läutete die Glocken, alle kamen zum Hauptplatz: Finger weg vom Famatina! Eilig reiste der Manager wieder ab, dabei verlor er eine Liste, handgeschrieben, mit den Namen der wichtigsten Minengegner, ihrem Beruf, Alter und Arbeitsplatz.

Auch Carina Díaz Moreno war aufgeführt, als »Anführerin«. »Bei einigen war vermerkt, ob sie einer Partei angehören«, sagt sie, »bei anderen, ob man sie mit Entschädigungen kaufen könnte.« Seit einiger Zeit, sagen die Bewohner, würden Leute an Türen klopfen und Kühlschränke oder Geld verschenken. »Man muss nur unterschreiben, dass man für die Mine ist«, sagt Díaz Moreno.

Wer die Geschenke verteilt, wissen sie nicht, dafür aber, wer sie angenommen hat. »Soziale Verschmutzung« sei das, sagt Díaz Moreno. So wie Chemie Gestein und Metalle trennt, droht das Minenvorhaben, die Dorfgemeinschaft aufzulösen. An der Straßensperre ist es schon zu Streit gekommen – zwischen Nachbarn, die einen für die Mine, die anderen dagegen.

(Quelle: die ZEIT vom 27.09.2012 , Nº 40)

15 Sep

Abseits der Gesundheitsstudie…

27 Aug

Die Kommunikation über so grosse Entfernung und ohne regelmässigen persönlichen Kontakt, stellt sich als nicht immer ganz einfach dar. Meine Berichterstattung weist ja auch immer gern mal wieder Lücken und Pausen auf und hat sich in den letzten Monaten hauptsächlich um die Gesundheitsstudie gedreht und lässt wohl erscheinen als sei diese die einzigste momentane Aktivität. Dem ist jedoch nicht so, auch wenn die Gesundheitsstudie sicherlich gerade den roten Faden darstellt.

Abseits der Gesundheitsstudie tut sich einiges und ich wollt euch heute berichten, was sonst noch so alles hier geschehen ist in den letzten Monaten. Besonders auch für die neu-zum Projekt zugestoßenen, damit ihr euch ein genaueres Bild von meinen Tätigkeiten hier machen könnt.

Ein bis zweimal im Monat bin ich im 700 Kilometer entfernten Catamarca, wo sich meine Arbeit in den Berggemeinden konzentriert. Ich arbeite viel mit themenspezifischen Workshops, bei denen das Thema der Goldminen nicht immer direkt im Mittelpunkt steht, sondern Bedürfnisse und Interessen Eingang finden, die von den Gemeinden ausgehen. Diese stellen Fenster dar, die auf der einen Seite neue Ausblicke auf ein anderes Miteinander in der Gemeinschaft ermöglichen, und auf der anderen Seite auf Missstände hinweisen, die ins Bewusstsein wachsenen und so zum greifbaren Thema werden, und für die sich konkrete Lösungsansätze erarbeiten lassen. Derzeit sind wir mit der Organisation eines dreitägigen Gender-Forums beschäftigt, das im September stattfinden wird. Wir haben auch eine regionale, monatlich erscheinenden Gemeinschaftszeitschrift gegründet, an deren Produktion bis jetzt vier Gemeinden beteiligt sind. Im Juni ging der erste kommunale Radiosender in Belen ans Netz. Die Gemeinde hatte nach den Protestaktionen des Sommers einen Sender als Spende erhalten. Die Antenne musste her und das notige technische Know-how. Ich schlugen also Belen für eines, der alle paar Monate stattfindenen Treffen, des Nationalen-Netzwerks-Unabhängiger-Medien vor und sie kamen. Zwei Tagen lag gab es unterschiedliche Workshops zu Themen wie Installation von Antenne und Sender, Gestaltung von Radioprogrammen, die Rolle der Medien in der heutigen Gesellschaft etc.

Mit der Zeitschrift und dem Radio sind zwei wichtige Werkzeuge entstanden um den Meinungsbildungsmonopolen etwas entgegenzusetzen, die dominanten Diskurse zu demontieren und zu entkleiden. Es geht aber nicht nur um die alternative Berichterstattung, sondern sie dienen als Sprachrohr für die, in den Medien unterrepräsentierte Gruppen. Gleichzeitig schaffen sie neue Räume für die demokratische und politische Partizipation, transportieren und fördern kulturelle Identität, Meinungsvielfalt, Kommunikation, Diskussion und Integration im lokalen, regionalen und nationalen Raum und dient somit der Vernetzung.

Nach den intensiven Sommermonaten in Catamarca, dem Bedürfnis nach ein bisschen Abstand und der anstehenden Forschungs- und Kontaktknüpfarbeit für die Gesundheitsstudie, verbrachte ich erst mal mehr Zeit in Córdoba. Dort begann ich wieder mehr Aktivitäten in den Bergen Córdobas in die Arbeit mit aufzunehmen. In der Region herrscht seit einigen Jahren Wassernotstand, angefangen mit der Entwaldung zur Landgewinnung für den Sojaanbau und mittlerweile gibt es noch dazu zunehmend willkürliche Urbanisierungsprojekte, (private, eingezäunte Reichenviertel, Golfplätze, Hotelkomplexe für die Oberschicht etc., die alle samt einen so hohen Wasserkonsum haben, dass das Wasser für die weiter im Tal gelegenden Gemeinden nicht mehr ausreicht). Schon seit zwei Jahren habe ich immer wieder mit einzelnen Gruppen und Gemeinden gearbeitet nun war es Zeit ein Netzwerk aufzubauen.

kollektive Konstruktion von Problematik-Karten in der Bergregion  Cordobas

Die „Coordinadora Ambiental y de Derechos Humanos de las Sierras Chicas“ wurde gegründet und gedeiht zu einem sich selbsttragenden aktiven, kreativen Netzwerk. Die Arbeit mit der Coordinadora macht mir viel Freude, die Gruppen sind motiviert, voller Energie, Idealen und Ideen. So konnten wir in diesem Jahr auch das nationale Netzwerk organischer Produzenten stärken und ausweiten und es sind nun schon drei jährliche Lieferungen auf Landesebene möglich, parallel finden Samen-Tauschmärkte statt.

Ein großes Erfolgserlebnis gab es letzte Woche in Córdoba zu feiern. Den ganzen Monat hatte die erste Gerichtsverhandlung gegen die Flugzeug-Verräucherungen (fumigaciones) von Pflanzenschutzmitteln  Monsantos (roundup, glyphosat) gedauert! Am Ende wurden die drei Angeklagten schuldig gesprochen und die Verräuerungen, das erste Mal in der Geschichte Lateinamerikas als Verbrechen deklariert.