Grundgedanke

Transnationale Solidaritäts- und Lernpartnerschaft

Die Welt konfrontiert uns Menschen heute mit zahlreichen Herausforderungen. Auf ökologischer, politischer, wirtschaftlicher, sozialer, und zumeist auch psychischer und spiritueller Ebene sind wir Krisen, Brüchen,und Wandlungen ausgesetzt. Ja mehr noch: Es scheint, dass wir ohne eine radikale Veränderung in allen aufgezählten Bereichen auf immer größer werdende Katastrophen und  Probleme zusteuern. Unser Bewusstsein zu weiten und zu Entwickeln ist vor diesem Hintergrund eine Herzensaufgabe.

Viele Herausforderungen unserer Zeit hängen mit globalen, wirtschaftlichen und politischen Ausbeutungsverhältnissen zwischen wirtschaftlich erfolgreichen und materiell verarmten Regionen zusammen. Es gibt Konkurrenz und Ausbeutung zwischen Räumen, Städten, Regionen, Nationen, Kontinenten und letztlich der jeweiligen in den Strukturen lebenden und wirkenden Menschen. Der Gegensatz zwischen Nord und Süd wächst und die Irrationalität des Kapitalismus verschärft sich durch das wachsende Wohlstandsgefälle und die ungleiche Verteilung von Ressourcen wie Bildung, Macht, Status und Besitz. Daher spüren Menschen der westlichen Welt eine Mitverantwortung für materielle Krisen (besonders in den Bereichen Umwelt, Politik und Gesundheit) in den Teilen der Welt, die nach wie vor oft als „dritte Welt“ bezeichnet werden. Über die Medien und zunehmend auch durch unsere persönliche Vernetzung mit Menschen und Regionen materiell ärmerer Länder (durch Reisen, Internet etc.) wird es heute möglich, diese räumlich entfernten Krisen unmittelbarer mitzuerleben. Als Menschen der global gesehen, wohlhabenderen Schicht, haben wir die Möglichkeiten und Ressourcen an der Lösung von Problemen in anderen Teilen der Welt mitzuwirken.

Seit den siebziger Jahren entstanden zahlreiche staatliche oder von NGO’s getragene Entwicklungshilfeprojekte, die uns anbieten gegen Spendengelder unsere Verantwortung an professionelle „Dienstleister“ abzugeben. Ein Großteil dieser global agierenden Organisationen haben Entwicklungshilfekonzepte entworfen deren Umsetzung von vorn herein zum Scheitern verurteilt sind. Vor allem aufgrund von fehlender interkultureller Kompetenz wurden oft an den Bedürfnissen der Menschen vorbei gearbeitet. Viel problematischer ist jedoch, dass durch scheinbar  wohlwollende Entwicklungshilfe in den meisten Fällen die Kultur und lokale Strukturen der sozialen Absicherung zerstört wurden. Es zeigt sich, dass Entwicklungshilfe, die von einer westlichen Weltsicht und westlichen Idealen getragen ist, eine neue Form des Kolonialismus darstellt und die Abhängigkeiten und Ausbeutungsverhältnisse noch verstärkt. Des Weiteren geht es oft um Gelder und Einfluss miteinander konkurrierender, so genannter Entwicklungshilfeorganisationen. Viele Organisationen sind dem Gedanken entsprungen wirtschaftliche Kooperationen aufzubauen und Absatz durch Exporte ins jeweilige Ausland zu sichern. Sie dienen somit oft dem eigenen Zweck und Nutzen und sind nicht ausschließlich (so wie nach außen hin verkauft) auf das Wohl der Menschen in den betroffenen Gebieten ausgelegt.

Es scheint fraglich, ob es genügt Spendengelder an mehr oder weniger anonyme Strukturen weiterzugeben, damit diese in unserem Auftrag Gutes tun[1]. Denn unser Traum einer geeinten Menschheit beinhaltet mehr als eine Welt, in der niemand mehr hungern muss. Er beinhaltet Veränderungen in allen oben aufgezählten Bereichen und an allen Orten an denen es Menschen heute nicht möglich ist sich selbstbestimmt und in Gemeinschaften oder Gesellschaften selbst organisiert und frei entwickeln zu können. Dieser Traum beinhaltet eine Welt, in der sich Menschen aus verschiedenen Orten und Kulturen begegnen, Freundschaften schließen sich inspirieren um zu wachsen, und das Haus der einen Welt gemeinsam mit Leben zu erfüllen.

Zurecht verursachen negative Erfahrungen im Bereich der Entwicklungshilfe eine Rückbesinnung auf das verantwortungsvolle und bewusste Handeln im Hier und Jetzt. Also auch im Alltag z.B. beim Einkaufen (regionale und biologische oder/und fair gehandelte Produkte), im Rahmen der eigenen Arbeit und in der eigenen Nachbarschaft. Darüber hinaus gibt es im Gegenzug zur Globalisierung eine Rückbesinnung auf die Entwicklung alternativer sozialer und wirtschaftlicher Strukturen auf regionaler Ebene. Nur durch die Rückbesinnung auf lokale, beziehungsweise unmittelbar erfahrbare, soziale Gefüge wird Transparenz, Selbstbestimmung und Selbstorganisation, oder anders, „individuelle und kollektive Freiheit“ möglich. Durch vertrauensvolle Beziehungen und Dialoge, die Grenzen überwinden, können wir unsere Sichtweise erweitern und eine Gestaltung unserer Welt über lokale, regionale und nationale Grenzen hinweg denken und ermöglichen. Der Slogan „global denken, lokal handeln“ hilft uns den lokalen, konkret erfahrbaren Boden unter den Füßen, auf dem wir selber konstruktiv und selbstkritisch unsere Umgebung gestalten, wiederzufinden. Zugleich fordert er uns auf, unseren Blick über den lokalen  Horizont hinaus schweifen zu lassen und letztlich die ganze Welt in unserem Bewusstsein zu tragen.

Das Modellprojekt „Transnationale Solidaritäts- und Lernpartnerschaft“ hat sich im Jahr 2010 auf den Weg gemacht, grenzüberschreitende Solidarität und Partnerschaft ohne formale Strukturen erfahrbar zu machen. Sie hat zum Ziel ein auf Freundschaft basierendes, grenzüberschreitendes Netzwerk zu schaffen, in dem sich Menschen vertrauensvoll verbinden, sich unterstützen und voneinander lernen, um daraus Energie und Ideen für persönliches Wachstum und Veränderung vor Ort zu schöpfen.

Anders ausgedrückt wird zur Zeit an einem Bauwagen (Sozialwissenschaftler nutzen dafür gerne den Begriff „Sozialraum“) mit zwei Türen gearbeitet. Die eine Tür wird zur Zeit von Dominique in Argentinien gezimmert, die andere von Leo und Franz in Deutschland. Seine Wände sind aus den Gedanken die wir über uns und die Welt anstellen, aus unseren Ideen und Träumen. Der Innenraum ist belebt von unserer Freundschaft. Erste Werkzeuge und Möbel beginnen ihren Platz im Raum zu finden.

Durch diesen Text entsteht ein erstes Fenster, dass uns und Euch einen kleinen Einblick in die Beschaffenheit des Wagens erlaubt.

Er soll einladend wirken!

Projektstand Anfang 2011

Unser Projekt entstand aus der Idee heraus unabhängige soziale und politische Arbeit in Argentinien zu ermöglichen. Dominique lebt seit einigen Jahren in Argentinien hat dort Soziale Arbeit studiert und eigene Visionen und ein eigenes Arbeitsfeld entwickelt.

Die grenzüberschreitende Freundschaft bleibt durch Internet und gegenseitige Besuche lebendig. Besonders die Berichte von Dominiques Arbeit inspirieren uns. Wir sprechen über die verschiedenen Projekte und Fragen, und können so die Arbeit vor Ort freundschaftlich begleiten.

Zusätzlich zu einem kleinen Einkommen  durch den Gewinn einer Projektausschreibung der Univesität Cordoba (die Förderung endet im Februar 2012),  kann Dominique durch finanzielle Unterstützung von Leo und Franz unabhängig in Argentinien Leben und Arbeiten. Die Finanzierung ist an keinerlei Bedingungen geknüpft und geschieht vertrauensvoll in der Art eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Menschen, die sich mit unserer Idee verbunden fühlen, sind herzlich dazu eingeladen unseren Wagen mit zu gestalten. Wir sind offen für Ideen, Anbauten und Umbauten, handgemachten Türen und Fenster… Wichtig ist uns, dass alles in einer bewussten, vertrauensvollen und freundschaftlichen Atmosphäre geschieht.


[1]          „Wenn aus schlechtem Gewissen, Schuldgefühlen, Depressionen und Aggression geholfen wird, macht es die Dinge nur schlimmer. “ Dalai Lama

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