Archiv | Januar, 2014

Sommer ohne MONSANTO

15 Jan

 Widerstand ohne Ferien, dafür mit unerwarteten Erfolgen

Letzten Mittwoch dann plötzlich und fast unerwartet, sprach sich das Gericht gegen MONSANTO aus. Ein langer Irrweg durch den bürokratischen und rechtlichen Irrgarten der Justiz, fand sein (vorläufiges) Ende.

„Frühling ohne Monsanto“ war der Slogan mit dem die Widerstandsbewegung gegen den Bau der grössten Samenproduktionsfabrik MONSANTOS in Lateinamerika, im vergangenen September mit dem ins Leben gerufen wurde. Im Dezember erfüllte sich diese Idee und „Sommer ohne Monsanto“ stand auf dem Programm. Das Camp, das die Zufahrtsstrasse zum Monsanto Gelände blockiert und verhindert, dass die für den Bau der Fabrik Materialien hineingelangen, bleibt bestehen und wächst von Woche zu Woche.

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In den letzten Wochen hatten sich die Strategien Monsanto immer mehr zugespitzt und wurden immer brutaler. Eines Morgens fuhren Busse vor, mit Schlägergruppen besetzt, sie verwüsteten das Camp und verletzten viele Blockierer. Nachforschungen ergaben, dass die Busse der Stadtverwaltung gehörten und die Schläger in einem der Armenviertel Cordobas angeheuert wurden, jedem wurden umgerechnet 25 Euro gezahlt, direkt von MONSANTO. Am nächsten Morgen tauchte Manu Chau unangekündigterweise im Camp auf und heiterte zumindestens ein bisschen die Stimmung auf und machte Mut weiterzumachen.

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Leitfiguren wie Sofia Gatica, eine der Ersten, die schon seit 10 Jahren gegen die Versprühungen von Agrarchemikalien und Monsanto aktiv wurde, erlitten mehrfache Übergriffe, eines Abends wurde sie auf dem nach Hause Weg von drei Unbekannten zusammengeschlagen, eines anderen Tages drohte ihr ein Mann, der ihr eine Pistole an die Schläfe drückte, dass man sie „verschwinden liesse“ würde sie nicht sofort aufhören „gegen MONSANTO zu hetzten“.

Die Nerven lagen blank in den letzten Wochen. Auch wenn sich gleichzeitige hoffnungsbringende Ereignisse darboten. Seit Mitte Dezember begannen, die von Monsanto angestellten Baufirmen, ihre Maschinen vom Gelände abzuziehen, da der Bau ja wie gesagt seit knapp vier Monaten stillsteht.

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Die Bevölkerung Cordobas ist sensibilisiert, wenn es um das Thema Genmanipulierung, Agrargifte, Lebensmittelqualität geht. Forderungen nach ökologisch angebauten Nahrungsmitteln werden lauter. Und so gut wie jeder in der Stadt weiss mittlerweile wer und was MONSANTO ist.

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Anfang Januar wurde mal wieder eine Demonstration organisiert mit der Forderung, dass die Justiz endlich zu dem Fall Stellung nähme. Eine der vielen, fast wöchentlich stattfindenen Demos. Drei Tage später stehen wir mittags um 13 Uhr bei knapp 40 Grad und brennender Sonne vor dem Justizgebäude, die Behörde hatte bekanntgeben, dass sie (mitten in der Ferienzeit!) das Urteil verkünden würde.

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Es kam  überraschend, als das Gericht dann „auf einmal“ das Bauunternehmen MONSANTOS für illegal befand und der von den Bürgern eingereichten Verfassungsklage recht gab. Alle standen Minuten lang stumm da, als der Anwalt auf die Strasse trat und Urteil vorlas, keiner wollte es so recht glaube, bis dann endlich das grosse Jubeln und die Freudenstränen ausbrachen.  Die Baugenehmigung war von drei Zeitarbeitern und einem „bestochenem“ Umweltminister unterzeichnet worden, noch dazu mit der Klausel, dass kein Umweltverträglichkeitsstudie vorlegen zu müssen! Das widerspricht gleich mehreren in der Verfassung verankerten Grundrechte!

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Es ist immernoch ein bisschen unglaublich und selbst jetzt beim schreiben drückt ein Kloss im Hals und das Herz schlägt wie wild! Es ist möglich, es macht Sinn! gibt Hoffnung auf diese bessere Welt, von der wir alle träumen! macht Mut weiterzumachen. Monsanto ist noch lange nicht aus der Welt, ein Produktions- und Konsumsystem sind weiter vorherrschend. aber es ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Hoffe, dass der Fall Cordoba an viele Orten der Welt als Beispiel dienen kann, dass viele kleine Menschen gemeinsam Grosses erreichen können.

Zum Abschluss noch ein Link zu dem in der Taz erschienen Artikel:

http://taz.de/Saatgutfabrik-in-Argentinien/!130837/