Frühling ohne Monsanto

26 Sep

Malvinas Argentinas

Es gibt etwas, das noch schlimmer ist als in Malvinas Argentinas zu wohnen und das ist, Teil der Bürgerinitiative von Malvinas Argentinas zu sein”. Der Besitzer eines Ladens an der Hauptstrasse dieser peripheren Gemeinde Cordobas, sieht von Weitem der Demonstration gegen die Installierung der Samen Verarbeitungsfabrik zu und bringt diesen lapidaren Satz hervor, um die Spannungen zu beschreiben, die rund um die Manifestation herrscht.

Marcha monsanto.Bevor er in seinem Laden verschwindet, erzählt er, dass er auch Mitglied der Bürgerinitiative war, bis man ihm drohte, ihm die Gemeindesteuer zu erhöhen, wenn er weiterhin aktiv teilnehme, und so hat er die Gruppe seiner Mitbürger verlassen. Diejenigen, die teilnehmen, zahlen doppelt so hohe Strom- und Wasserrechnungen, einige gehen deswegen und der Rest geht aus Angst vor den Repressalien. Nach und nach bleiben immer Weniger gegen Monsanto übrig. Malvinas Argentinas ist eine Kleinstadt mit 16.000 Einwohnern, die im einstigen grünen Gürtel Cordobas liegt. Heute verfügt die Gemeinde grade mal über eine einzige asphaltierte Strasse und ein Sportzentrum. Das Unternehmen Monsanto, das Fortschritt und Arbeitsplätze versprach, zögert noch mit dem versprochenem Bau eines Schwimmbads, damit alle sehen, wie gut es der Gemeinde tut, dass sie zum Bau der Monsanto-Fabrik ausgewählt wurde. Die wachsenden bunten Sozialbau Siedlung am Rande, fügen der traurigen Landschaft einen schlechten Geschmack bei. Seit der Soja die Provinz überschwemmt hat, ist Malvinas Argentinias zu einer Insel zwischen Agrarchemikalien versprühender Flugzeuge und Getreidesilos geworden. Die Landwirtschaft braucht keine Landarbeiter mehr sagen resignierte Veteranen den arbeitslosen Jugendlichen, die auf der Verliererseite übrig bleiben. Dicke Geländejeeps fahren vorbei, nehmen die N19 oder die A88 Richtung Montecristo, wo die Besitzer und Verwalter der Anbauflächen leben. Dort, 8 Kilometer von Malvinas Argentinas entfernt, mitten auf dem Platz von Montecristo, stehen 3 historische Silos, um die sich zu ihrer Zeit die Stadt gründete, als Denkmal für den wirtschaftlichen Aufschwung den der Soja brachte und auch als Erinnerung an die manuelle Landwirtschaft, die heute keiner der Bewohner Montecristos mehr vermisst.

Jonatan Castro ist 19 Jahre alt, er ist eher zufällig zur Bürgerinitiative gestossen, als er als Schülervertreter seiner Schule, Nachforschungen über den Bau der grössten Samentransformationsfabrik Lateinamerikas in seiner Stadt anstellte und entschied sich spontan der Versammlung zuzuhören. Seine Grosseltern, die Familie Calarco, gemeinsam mit den Arzanis hatten im vergangenen Jahrhundert die Gemeinde gegründet. Noch, bis vor einigen Jahren, trafen sich die Familien um ihre Sonntage gemeinsam zu verbringen, heute sprechen sie nicht einmal mehr miteinander.Sieben Millionen sollen als Bestechungsgeld für die Installation Monsantos in Malvinas geflossen sein. Der Bürgermeister, Daniel Arzani, hat seinen Anteil kassiert und tut nun nichts mehr dafür den Bau zu verhindern.

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Die Anlage befindet sich 600 Meter von dem Städtchen entfernt. Auf 36 Hektar soll die Fabrik beherbergt werden. Noch fehlt vieles bis die 236 Silos in Betrieb genommen werden können und derzeit, seit genau 8 Tagen ist die Anlagen blockiert.

Nach dem Festival “Frühling ohne Monsanto” am vergangenen Donnerstag, schlugen Bewohner und Aktivisten vor den Toren der Anlagen ein Kamp auf, um den Zugang für Lkws und Konstruktionsmaterialien zu blockieren. An diesem Tag kamen Tausende Menschen nach Malvinas, „einfache“ Bürger, Gruppen, Initiativen, Künstler, Wissenschaftler aus dem ganzen Land, um ein deutliches NEIN gegen Monsanto zu setzten.

Vanina, die an der Organisation des Kamps beteiligt ist, sieht es als einen Erfolg der Bürgerinitiative, dass man sich heute einer der mächtigsten Unternehmen der Welt entgegenstellen kann. Trotz abgelehntem Antrag auf ein Referendum im vergangenen Jahr und dem angeordneten vorläufigen Baustopp wegen fehlender Umweltberichten.

Vanina ist seit Beginn dabei, nahm an der Durchführung der epidemiologischen Studie in ihrer Gemeinde teil. Es wurden dieselben Probleme festgestellt, wie in den anderen Gemeinden, die an Sojafelder grenzen: Leukämie, Purpura, spontane Schwangerschaftsabbrüche, Fehlgeburten, Missbildungen, Atemwegserkrankungen, Flecken auf der Haut etc. „Hier sterben die Menschen an Krebs, und nicht weil sie Alt sind“ fügt sie hinzu. Im Jahr 2010 kam ihr Vater mit einer atypischen Lungenentzündung ins Krankenhaus. Die Ärzte sagten der Sauerstoff kann nicht vom Blut aufgenommen werden. Seit 25 Jahren ist er Lkw-Fahrer und seit wenigen Jahren fährt er Sojaladungen zum Hafen in Rosario. Seine Familie beobachtet, dass er immer erschöpfter nach Hause kommt. Seine Kleidung ist imprägniert mit Chemikaliengeruch. Im vergangenen sind 9 Lkw-Fahrer, die diese Frachten transportieren verstorben. Vanina glaubt, dass ihr Vater überlebt hat, weil sein Lkw eine, von der Fracht separate, Fahrerkabine besitzt. Dennoch leidet er an EPOC-(einer chronischen Atemwegserkrankung).

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“Haufen von Faulpelzen” ruft es aus einem Auto in Richtung Camp, während Eli von ihrer Erkrankung spricht, auch sie leidet unter einer chronischen Atemwegserkrankung. Glyfosat und Endosulfan wurden in ihrem Blut nachgewiesen, obwohl sie in Cordoba und nicht in der Nähe von Sojafeldern lebt. Die Ärzte geben ihr weniger als ein Jahr zu leben. Sie ist überzeugt, dass die Agrarchemikalien-Kanister Schuld sind, die der Nachbar zur Weiterverwendung in seinem Garten sammelt.

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Lange konnte sie keine Ursache für ihre Erkrankung finden, bis sie sich von der Giftigkeit der Unkrautvernichtungsmittel erfuhr. Auf den Kanistern ist keine Warnung über den Giftigkeitsgrad zu finden. Der Nachbar fährt die Felder ab, um die weggeworfenen Kanister zu sammeln und schliesslich weiter zu verkaufen. Ein Teilnehmer erhebt das Wort und erinnert sich, dass vor einigen Jahren diese Kanister im Dorf sogar genutzt wurden, um Wasser vom Brunnen zu holen.
Pablo, ein Anwohner der direkt neben dem Gelände lebt, auf dem die Fabrik errichtet wird, arbeitete zwei Monate auf der Baustelle, bis der Baustopp erlassen wurde, seinen Lohn hat er bis heute nicht gesehen. „es wird schlimm enden“ sagt er, auch wenn er überzeugt ist, dass das Unternehmen keine Gesundheitsrisiken verursachen wird. Der Vizepräsident von Monsanto Argentinien, kam schliesslich persönlich in die Gemeinde und erklärte den Bürgern, dass sie keine Kontaminierung zu befürchten hätten. Es gibt keinen Umweltbericht, keine Volksabstimmung und jeder ist frei zu glauben was er will und kann. Einige für Monsanto, andere dagegen.

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