Monsanto (nicht nur) in Córdoba

6 Sep

Monasanto mata

 Über die Hälfte der Exporteinnahmen Argentiniens stammen aus dem Sojaverkauf. Ein Kapital, das heute weit über die Hälfte des bewirtschafteten Bodens des Landes einnimmt. Und anstatt, dass es den Hunger und der Nahrungsmittelknappheit beseitigt, verschärft es diese noch. Denn bevor Soja vor etwa 15 Jahren Einzug auf argentinische Äcker nahm, wurde Getreide, Sonnenblumen, Mais, Kartoffeln angebaut, die Anbauflächen waren zur Nahrungmittelproduktion für die Bevölkerung bestimmt, diese mussten dem Soja weichen.

Hunger und Unterernährung haben in erster Linie sozioökonomische Gründe. Hauptursache bleibt die Armut, die Menschen den Zugang zu ausreichender Nahrung verwehrt und nicht etwa ein Nahrungsmitteldefizit. Hunger als weltweites Problem ist nach wie vor zunächst ein Problem ungleicher Einkommensverteilung. In den Ländern des Trikont[1] kommen noch weitere Problemfelder hinzu: Die ungerechte Landverteilung und das Ausbleiben von Agrarreformen; die verfehlten Agrarpolitiken der Eliten; die ungerechten Handelsbeziehungen zwischen Nord und Süd; sowie Landvertreibungen, die dem Konflikt zwischen der merkanilistischen Wirtschaft der Grossunternehmen und der traditionellen der Kleinbauern entspringen. Seit Beginn der Sojaära mussten über 80% der ursprünglichen Waldfläche Cordobas weichen. Das Land gleicht einer grünen Wüste aus Sojafeldern. Durch den ausgedehnten monokulturellen Soja-Anbau für den Export, verringern sich die Anbauflächen für andere Pflanzen. Traditionelle Wirtschaftszweige [2]und Lebensräume von Siedlern, Kleinbauern und Nomaden wurden in den letzten zwei Jahrzehnten von der Soja-Industrie nahezu vollständig verdrängt.

Mir kommen die Worte von Alonso, einem jungen Bauern, in den Sinn, den ich bei einer Veranstaltung vor einigen Wochen im Norden der Provinz traf. „Das Territorium ist viel mehr als das Land, der Fleck Erde, auf dem wir leben, es ist die Möglichkeit unser Leben, unsere Kultur und unsere Identität zu entwickeln und birgt in sich unsere Geschichte und die unserer Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern“ sagt Alonso, dessen Familie seid Generationen auf dem Land lebt, auf dem das Treffen unter dem Moto„la tierra es nuestra“[3] stattfand; Bauern, Hirten, Studenten, Wissenschaftler, Anwälte etc waren zusammengekommen, um zu debattieren, Erfahrung und Wissen auszutauschen und Realitäten Namen zu geben. Dennoch, habe die Familie nie die offiziellen Papieren besessen, mit denen sie das Land ihr Eigen nennen könnten und nun durch das Vordringen der „Sojagrenze“ vertrieben werden soll. „… das System der extensiven Monokultur sieht in dem Land nur die Gewinnmöglichkeiten…“ fährt er fort. „es sieht nicht unser Leben als Bauern, unsere Geschichte, die uns mit diesem Land verbindet, unsere Kultur und Leben, die aus dieser kargen Erde entspringen….aber sie besitzen die Kaufpapiere.“

In Cordoba zeichnet sich eine absurde Entwicklung ab. Im vergangenen September wurde erstmals ein Gerichtsprozess gegen die Verspritzungen von „Pflanzenschutzmittel“ Monsantos in Cordoba gewonnen. Kurz darauf erhält der weltweit grösste Produzent von genmanipuliertem Saatgut, Monsanto, die Genehmigung von Seiten der Regierung, die grösste Saatgutproduktionsanlage Argentiniens in der Gemeinde „Malvinas Argentinas“ am Stadtrand von Cordoba zu bauen! Sie gehört zu den ärmsten Gemeinden, mit der höchsten Arbeitslosenrate der Provinz. Das Unternehmen Monsanto lockt mit dem Versprechen neue Arbeitsplätze zu schaffen. 400 Menschen sollen beschäftigt werden. Eines der Hauptargumente des Unternehmens an die Gemeinde. Guckt man allerdings die Statistiken der letzten Volksumfrage an, stellt man fest, dass nur 12 der 15000 Einwohner einen Hochschulabschluss besitzen. Falls das Projekt nun tatsächlich Arbeitsstellen für Bewohner der Gemeinde schafft, dann wohl nur in den niedrigsten Positionen, wie etwa Pack- und Reinigungskräfte. Das Unternehmen setzt eine der typischen Strategien ein: sucht sich als Standort eine verarmte Gemeinde mit niedrigem Bildungsstandard und labilem Rechtsbewusstsein, spielt mit den konkreten Bedürfnissen und Nöten der Gemeinde.

Aber treten wir einen Schritt zurück, es geht nicht nur um die Samenproduktionsfabrik Monsantos an sich, einem konkreten Industrieprojekt, sondern in einem weiteren Kontext gesehen geht es um die Ausbreitung der Monokultur, der Kontamination, der Entwaldung, der Zerstörung der Lebensgrudlage vieler Menschen und letztlich um die Zukunft unserer Nahrung.

Was wissen wir über Monsanto?!

Monsanto ist weit mehr als Soja auf argentinischen, brasilianischen und US amerikanischen Feldern! Fragt man Wikipedia, so erfährt man, dass das Unternehmen 1901 gegründet wurde, seit 1927 hat der börsenoriente Konzern seinen Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri, und Niederlassungen in 61 Ländern. Heute produziert das Unternehmen  in erster Linien genmanipuliertes Saatgut und Herbizide (u.a. das Breitbandherbizid „Roundup”) 

Aber betrachten wir ein wenig die Entwicklung des Unternehmens. In der Anfangszeit widmete sich Monsanto der Fabrikation von chemischen Produkten. Später kamen die Herstellung von anderen Produkten hinzu wie Süsstoffe (Aspartam und Saccarose)für die Lebensmittelindustrie, Chemikalien für Landwirtschaft (DDT[4]) und PVC für die Industrie, sowie den Komponenten „Agent Orang“, ein Pflanzenvernichtungsmittel, das in der Kriegsindustrie (Vietnamkrieg) Einsatz fand, es folgte die Herstellung von Hormone für die Viehzucht. In den 80ern und 90er Jahren, wandelte sich das Unternehmen und fokussierte sich auf die Biotechnologien zur Erzeugung genetisch veränderten Saatguts.

Patente

In den 90er Jahren begann Monsanto die weltweite Kontrolle über den Saatgutmark zu übernehmen, indem es andere Saatgutunternehmen aufkaufte und die Patente unter seinen Namen brachte. Seit 2005 ist Monsanto der weltweit grösste Samenproduzent, der zudem 90% der Technologien für den Anbau von genmanipuliertem Saatgut herstellt.

Die Kontrolle Monsantos (und anderen Megaunternehmen wie Syngenta, BASF, Bayer etc) über die Saatgutproduktion durch aggressive Patentrechte, zwingt die Landwirte ihr Saatgut zu kaufen und verbietet Saatgut für die folgende Aussaat zu bewahren es sei denn es werden Lizensrechte gezahlt.

Später kamen die sogenannten Terminatorsamen[5] hinzu, hybride Sorten, die genetisch so verändert wurden, dass sie sterile Samen hervorbringen, also nach nur einer Ernte „Selbstmord“ begehen. Hybride sind designend um die Bauern jede Saison zum Markt zu zwingen, diese patentierten ‚Suizid-Samen‘ stellen vor allem für die Kleinbauern in armen Ländern eine Bedrohung dar, die normalerweise ihr eigenes Saatgut für die nächste Aussaat zurückbehalten.[6] Wenn die Saatgutversorgung der Bauern ausgelöscht ist und sie abhängig von patentiertem Saatgut sind, führt das unvermeidbar zur Verschuldung. Saatgut ist vom Allgemeingut zur Handelsware privater Saatgutfirmen geworden, das auf dem freien Markt gehandelt wird.

In vielen Ländern auf der ganzen Welt, wurden neue Saatgutgesetze eingeführt, die eine verpflichtende Saatgutregistrierung durchsetzen und es somit unmöglich für Bauern machen, ihre eigene Vielfalt anzubauen, zu erhalten und weiterzuentwickeln und sie in Abhängigkeit von den Saatgutgiganten zwingen.[7] Das Unternehmen erhält eine Macht über das menschliche Leben, die zuvor niemand hatte, der Erwerb des Terminator-Patentes durch Monsanto ist der Anfang einer nichts Gutes verheißenden neuen Phase in der globalen Monopolisierung unserer Nahrungsmittelversorgung.

Da Monsanto aber nicht in allen Länder mit so offenen Türen empfangen wird wie Argentinien oder Barasilien hat die Saatgutindustrie vielfache Instrumente entwickelt um ganzen Völker von ihren Produkten abhängig zu machen und sie zu zwingen neue Samen für jede Aussaat zu kaufen. Teilweise mit perversen Methoden unter dem Vorwand der humanitärer Hilfe, wie beispielsweise in Haiti. Nach dem verherendem Erdbeben 2010, spendete Monsanto hunderte Tonnen seines genmanipulierten Saatguts und wollte sich so die Kriesensituation zu nutzen machen um ihre gentechnisch veränderten Pflanzenkörner zu verbreiten und die Landwirtschaft der Insel von ihren Produkten in der Zukunft abhängig zu machen. Das Unternehmen unterschätze allerdings die Bauern, die anstatt das Saatgut anzunehmen, es verbrannten.

Vom Verlust des lokalen Saatguterbes und der Biodiversität

Am Ende bleibt eine Kleine Auswahl/Varietät von genetisch uniformen Samen übrig, die die traditionellen Arten substituieren und damit die genetische Diversität, die unsere Lebensmittelsystem aufrecht erhalten. (Beispielsweise gibt es auf dem argentinischen Markt nur noch 2 Sorten Äpfel und eine Kartoffelsorte während in Bolivien, (wo genmanipulierte Samen strikt abgelehnt werden) noch über 200 Sorten Kartoffel kultiviert werden, Mexiko, die historische Wiege des Mais, hat achtzig Prozent seiner Maissorten verloren, Baumwollsamen in Indien, etc) . Die einstigen Getreidekammer der Welt Argentinien, wurde unter Monsanto zu einem Versuchslabor für Gensoja.

Der Verlust des traditionellen Saatguts ist nur eine der Folgen, der genetischen Kontamination und stellt eine große Bedrohung für die Zukunft von Nahrung dar. „Es ist es unsere Pflicht und Verantwortung, das Saatgut und die damit verbundene Jahrhunderte angesammelte Weisheit zu schützen und an zukünftige Generationen weiterzugeben“, sagt ein Vertreter der Bauernbewegung. Der Anbau von Saatgut und der freie Austausch zwischen den Bauern war die Basis für den Erhalt biologischer Vielfalt und unserer Nahrungsmittelsicherheit . Im Zuge dieser Entwicklung sind laut der Welternährungsorganisation bereits drei Viertel der Biodiversität bei landwirtschaftlichen Kulturen verschwunden.[8]

Traditionelle Sorten unterscheiden sich im Geschmack, Nährwert und Qualität. Industrielle Züchtungen gründen mehr in der Strategie, mehr Chemikalien zu verkaufen, mehr Waren zu produzieren und mehr Profit zu machen. Es wird in erster Linie für industrielle Weiterverarbeitung gezüchtet, um Biotreibstoff und Tierfutter zu produzieren. Quantität entleert von Qualität, und Gewicht entleert von Nährwert stellt keine Nahrung dar.[9]

Roundup

Begleitet werden die genmanipulierten Sorten von den dazugehörigen Agrarchemikalien, es werden Giftstoffe versprüht, die in ähnlicher Form im Vietnamkrieg unter dem Namen Agent Orange eingesetzt wurden. Diese Chemie-Cocktails basieren auf einer Mischung aus Glyphosat, Paraquat, Endosulfan und 2,4 Dichlorphenoxyessigsäure[10]. In Europa sind fast alle diese Substanzen verboten. Produziert werden sie aber von Monsanto in den USA, von Syngenta aus Basel, BASF aus Ludwigshafen am Rhein oder von Bayer aus Leverkusen.  Monsantos genmanipuliertes Saatgut wurde auf Toleranz gegenüber dem wohl bekannteste Breitbandpflanzenvernichtungsmittel „Roundup-ready“, gezüchtet. Es ruft schwere Erkrankungen und Risiken für die Gesundheit in den Gemeinden die nahe dieser monokultiven Anbauflächen liegen, hervor. Zum anderen werden vergiftete und tote Erde zurücklassen auf der kein Leben mehr zu finden ist. Die Agrargifte werden per Flugzeug über den Feldern versprüht, das Unkraut (allerdings auch alle andere Pflanzen und Insekten) werden dabei vernichtet. Oft grenzen die Felder direkt an Ortschaften, durch Verwehungen der Giftstoffe wird die Bevölkerung also direkt betroffen, ausserdem liegen Silos und Lagerhallen für Samen und Chemikalien direkt in den Orten. Atemwegs- und Hauterkrankungen, Fehlgeburten, Kinder mit Missbildungen, erhöhte Krebsraten treten in all diesen Gemeinden auf. Als Beispiel möchte ich die Gemeinde Ituzaingo aufführen, die inmitten eines horizontlosen Genpflanzen-Meers liegt. Eine Gruppe von Frauen „Las Madres de Barrio Ituzaingo Anexo, begannen bereits vor Jahren, eigenständig epidemiologische Studien durchzuführen, die Krankheits- und Todesfälle in ihrer Gemeinden dokumentierten, bereits lange bevor das Thema Pflanzenschutzmittel, in den Medien ein Thema wurde und die ersten interlektuellen Stimmen zur Sprachen kamen. „Hier im Dorf wisse man schon lange, wie schädlich die Chemikalien sind, auch wenn die Hersteller sagen, dass die Mittel keine gesundheitliche Schäden verursachen und ausserdem ist Soja als Teil der Wachstumspolitik der Regierung“. Letztendlich waren die Studien der „Madres de Ituzaigo“ die wichtigste Beweismittel im Prozess gegen die Versprühungen verganges Jahr. In einer aktuellen Studie an der 142 Jugendliche teilnahmen wurden bei 114 Agrargifte im Blut nachgewiesen und damit diese Realität nochmals bestätigt.

90% der Gensojaanbauflächen befinden sich in den USA, Brasilien, Argentinien und Canada![11]Gensoja war, von Anfang an kein Nahrungsmittel. Die grosse Mehrheit der genmanipulierten Produkte dient der Tierfutter- und Biotreibstoffherstellung, in den reichen Ländern, anstelle von Lebensmitteln in armen Ländern oder der bekämpfung des Welthungers (ohne dabei an dieser Stelle die Qualität dieser Lebensmittel in Frage zu stelle). Ohne gentechnisch veränderte Soja ist heute die Versorgung mit Fleisch, Eiern und Milchprodukten zu Niedrigpreisen nicht mehr zu gewährleisten. Über die Langzeitauswirkungen fehlt allerdings Wissen. Hier besteht ein ernormer Forschungsbedarf. Eins ist dennoch sicher, die Gentechnikindustrie hat sicher nicht das Wohl der Menschen, sondern vorallem den eigenen Profit im Blick. Auch hier in Cordoba arbeiten wir an der kontinentalen Kampagne „agrotoxicos matan“[12](„Agrartoxide töten“). Einer Initiative, die von der CLOC-ViaCampesina[13] ins Leben gerufen wurde. Es sollen die Evidenzen dargestellt und koordiniert werden, die die Agrartoxide auf die Gesundheit, Umwelt und Leben der bäuerlichen Bevölkerung haben und gleichzeitig das Leben, Wissen und Kultur der Bauern sichtbar gemacht und reale, sustentable und gemeinschaftliche Alternativen zur derzeitigen Entwicklung der Sojakultur aufgezeigt werden.

Die Nahrungmittelsouveranität bezeichnet das Recht aller Völker gesunde und kulturell angepasste Nahrungsmittel, durch ökologische, angemessene und sustentable Anbaumethoden herzustellen. Sowie das Recht über ihre Agrar- und Lebensmittelsysteme zu entscheiden. Die Nahrungsmittelsouveranität verleiht den Produzenten und Verbrauchern eine zentrale Rolle in den Nahrungsmittelsystemen und der Politik, anstatt diese Systeme zu zwingen sich den Forderungen des Marktes und der grossen Unternehmen zu unterwerfen. Ein schwieriges Anliegen in Argentinien, wo der Sojaanbau von der Regierung gefördert wird, wenige und oft falsche Informationen in den Medien zu finden sind und die Bürger sich oft ihrer Machtposition als Verbraucher nicht bewusst sind und keinen Gebrauch von ihren Einflussmöglichkeit machen. Das Konzept der Nahrungsmittelsouveranität, legt ausserdem die Verteidigung der Interessen der nachfolgenden Generationen fest und fordert ihre Einbindung. Den lokalen und nationalen Märkten und der Wirtschaft muss laut diesem Recht Vorrag verliehen werden.

Saatgut ist eine der Quellen des Lebens und Grundlagen unseres Daseins. Seine Vielfalt und Reichhaltigkeit hat sich in Millionen von Jahren frei entwickelt und den Bedürfnissen von Klima, Standort und Kultur angepasst. Die Sortenvielfalt muss lebendig gehalten werden, damit Resistenzen gegen Viren und Pilze, Nässe oder Trockenheit zur Verfügung stehen.

Mit der derzeitigen Entwicklung wird langfristig ist die Ernährungssicherheit gefährdet. Auch wenn sich das Konzept der Lebensmittelsouveranität an vielen Orten Europas erfolgreich erhoben hat und der Anbau verboten ist, es strikte Norme zur Etiquetierung von genmanipulierten Nahrungsmitteln gibt, gelten diese Normen beispielsweise nicht für Fleisch und tierische Produkte wie Milch und Eier, die von Tieren stammen, die mit genmanipulierten Pflanzen gefüttert wurden. Hier gibt es eine Gesetzeslücke.[14] Deutschland importiert mittlerweile gleich nach China weltweit die meisten Sojaprodukt für die ‘Fleischproduktion‘  die vor allem aus Argentinien und Brasilien kommen.

Die damit verbundene Komplexität lässt sich nur langsam erfassen. und im rechtlichen Dschungel müssen erst die Wege gefunden werden

Die Opposition gegen Monsanto

In Europa besteht eine grosse Sensibilität für das Thema der genmanipulierte Nahrungsmittel, sowohl die Zivilbevölkerung als auch Wissenschaftler habe wichtige Beträge geleistet haben und das Thema hat Eingang in die öffentliche Debatte gefunden. Die Diskussionen zur Gentechnik haben die Sorgen über die (Un)schädlichkeit der Lebensmittel weit überschritten und erreichen die etische Dimensionen, assoziiert mit der Patentierung von Saatgut. Ein fundamentaler Unterschied zur Situation in Lateinamerika. Wer in Argentinien negativ über den Sojaanbau spricht, muss mit Konsequenzen rechnen. Mitglieder von Bürgerinitiativen, die von verstecktem Genozid sprechen, wurden schon Fensterscheiben eingeschlagen und Autos angezündet. Erst vor ein paar Wochen wurde dem Direktor eines lokalen Radiosenders per Telefon mit Prügel gedroht, wenn er die kritische Berichterstattung zum Gensoja nicht einstelle. Kleinbauern, die auf potenzialen Sojaanbauflächen leben werden vertrieben, wenn sie nicht freiwillig gehen, werden sie bedroht, oft hat man ihre Nutz- und Haustiere erschossen mit der Drohung, bald würde selbiges mit ihnen geschehen wenn sie nicht ihr Stück Land verliessen. Staatliche Schulen und medizinische Versorgungszentren werden im ländlichen Raum geschlossen und viele Familien sehen sich gezwungen umzusiedeln aufgrund des fehlenden Zugangs zu Bildungsmöglichkeiten und der Gesundheitsversorgung. Kritischen Wissenschaftlern widerfährt Ähnliches, wie dem Embryonenforscher Andrés Carrasco von der Universität Buenos Aires. Dieser hatte vor drei Jahren bestätigt, dass Glyphosat schon bei geringer Anwendung zu Missbildungen bei Embryonen führen kann – worauf Politiker zusammen mit der Agrarindustrie eine wochenlange Kampagne gegen ihn und seine Resultate führten. Er selbst erlitt körperliche Übergriffe, die Veröffentlichung seiner Studien wurde verboten.[15]

Was nun tun vor diesem düsteren Panorama?!

Hier vor Ort eine Ameisenarbeit, gegen die fehlende Medienfreiheit, organisieren von Aufklärungsveranstaltungen, Workshops, Kampagnen an Schulen, Dokumentarfilm-Veranstaltungen etc.Wissen und Bewusstsein sind eine fundamentale Grundlage und öffnet die Türe für weitere Aktionen und Veränderungen. Die Bürger Malvinas Argentinas sind aktiv geworden gegen den Bau der Saatgutproduktionsfabrik Monsantos. An verschiedensten Orten finden man kollektiven Initiativen, Menschen finden sich zusammen, erarbeiten gemeinsam Wissen und Strategien. “In unserer Not und dem Fehlen jeglicher Studien wurden wir selbst zu Spezialisten, im juristischem Bereich, in Chemie, Landwirtschaft, Journalismus, Physik, Anthropologie, Medizin, im Bereich Klima und Bodenkunde, Wirtschaftsanalysen und Politik etc“, sagt eine Anwohnerin. Viele bürokratische Schritte sind getan, alle administrativen Wege den Bau zu stoppen wurden eingeleitet und es konnte ein vorläufiger Baustopp des Projektes erreicht werden. Das ist noch längst keine grüne Flagge. Das Unternehmen muss nun einen neuen Umweltbericht erstellen, der die Konstruktion erlauben würde, könnte das Unternehmen plausibel machen, dass keine Risiken für Bevölkerung und Umwelt entstehen würden. Keine sonderlich vielversprechende Situation, bedenkt man die herrschende Korruption, gekaufte Politiker, unterdrückte Kritiker. Derzeit hilft der Baustopp aber Zeit zu gewinnen neue Strategien zu erdenken und einzuleiten. Der Antrag für einen Volksentscheid zu dem Monsantoprojekt wurde leider abgelehnt.

Des Weiteren bleiben viele andere Dinge zu tun, Alternativen die Hoffnung machen, wie die Samentauschmärkte, Netzwerke über die biologisch produzierte Produkte fair gehandelt werden.

Weltweit können wir als Verbraucher, Firmen- aber auch Sozial- u. Wirtschaftspolitik nachhaltig beeinflussen, indem wir mit unserem Kaufverhalten unsere Zustimmung bzw. unsere Ablehnung ausdrücken. Ich denke für eine Wende in der aktuellen Entwicklung, sind grade die Länder wichtig, die die Produkte kaufen oder in verarbeiteter Form konsumieren um so von Seiten der Nachfrage auf das Angebot einzuwirken.

Kontinent, der Gegensätze der sozialen Ungleichheit, der Korruption, der sozialen Bewegungen, Kämpfe und Revolutionen, Kontinent der Hoffnung und der Freude, Kontinent der neoliberalen Wirtschaftspolitik und der indigenen Weisheit, der Pachamama und den Wüsten der Monokultur, des Individualismus und der kollektiven Organisation und Solidarität. Ich bin gerne hier!

Am Ende, für diejenigen die noch mehr erfahren wollten, noch ein paar Video Empfehlungen:

http://tv.viacampesina.org/Que-son-los-Transgenicos-en-3?lang=en http://www.seedsoffreedom.info/watch-the-film/watch-the-film-spanish/ http://www.youtube.com/watch?v=IlJXjs9PyJc&feature=youtu.be http://www.youtube.com/watch?v=isBqWF3bOi4 http://future.arte.tv/de/thema/brauchen-wir-gruene-gentechnik Auf der Seite findet ihr den Film „Raising Resistance“ zeigt der Film komplexe sozio-ökonomische Zusammenhänge der Sojaproduktion am Beipiel Paraguays Kleinbauern

http://saatgutpolitik.arche-noah.at/files/saatgutkarte.pdf

www.saveourseeds.org


[1] Mit Trikont (hergeleitet aus Drei Kontinente) werden aus antikolonialer Perspektive die Kontinente AsienLateinamerika und Afrika bezeichnet. Im engeren Sinn sind damit die ärmeren Staaten der Welt gemeint, die in miteinander vergleichbarer Weise durch die Geschichte und Gegenwart des Kolonialismus/Postkolonialismus in ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung beeinflusst worden sind. (wikipedia)
[2] Arte.tv future “brauchen wir Grüne Gentechnik
[3] Übersetzt: „das Land gehört uns“-wobei das Konzept ´Land´in diesem Kontext weit über die Bedeutung eines Stücks Erdoberfläche hinausgeht.
[4] Diclorodifeniltricloroetan, ein syntetischen hochgiftiges Plaguizit
[5] Terminator-Technologiepatente vonDelta & Pine Land sind gemeinsam mit der Regierung der USA und dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium entwickelt wurden.
[6] „Mit Terminator-Saatgut zur Kontrolle der Völker“ F.William Engdahl
[7] Report_seed_freedom_into_deutsch
[8] Rettet die Vielfalt!
[9] Report_seed_freedom_into_deutsch
[10]In leicht modifizierter Form ist es Bestandteil des Entlaubungsgifts Agent Orange, das die US-Armee während des Vietnamkriegs über den Wäldern versprühte.
[11]  Alexander J. Stein y Emilio Rodríguez-Cerezo, What can data on GMO field release applications in the USA tell us about the commercialisation of new GM crops? 2009. ftp://ftp.jrc.es/pub/EURdoc/JRC52545.pdf
[13] Lateinamerikanische Bauernorganisation
[14] Greenpeace “GenFood-Was Verbraucher beachten sollten”

 

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