Archiv | Dezember, 2012

Cruzada de las sierras chicas

10 Dez

Am letzten November Wochenende fand die “Cruzada de las Sierras Chicas – por la soberania del agua y de la tierra” statt. Eine dreitägige Karawane die knapp 50 Kilometer über die Bergkette “sierras chicas” im Nord-Osten Cordobas führte.

Die Idee wurde Ende August in einem meiner Workshops geboren, während einer  Disskusion was wir nun mit all dem erarbeitetem Wissen tun könnten. Weder ich noch einer der Teilnehmer konnte sich zu dem Moment, fröstelnd im Gemeindesaal von Villa Ani-Mi, auch nur annähernd vorstellen, welch grosses Ereigniss tatsächlich daraus werden würde und geworden ist.

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Selbst in den letzten intensiven Wochen der Vorbereitungen, der all wöchtlichen Treffen, dem riesen Berg an bürokratischen Krams (Genehmigungen, Schlafplatzsuchen, Difusion, Pressekonferenzen, Materialerstellungen Interwies etc.), kamen immerwieder Zweifel auf ob sich all die Anstrengungen lohnten. Aber es hat sich gelohnt und zwar voll und ganz.

Aber nun mal zum konkreten.  Es gab zwei Gruppen.

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Eine kleine interdisziplinare Gruppe (Geologen,  Sozialarbeiter, Biologen, Antropologen, Reporter, etc) nahm den oberen Weg über die Bergspitzen, um die Situation des Gebiets technisch zu dokumentieren (Wasserquellen, Flora, Fauna und Gesteinsmerkmale, Siedler (die Experten unter den Lesern haben bestimmt ihre Fachausdrücke dafür ;-)). Es gib bislang keine technischen, offiziellen Studien über die Region.

Und eine große Gruppe die den unteren Weg nahm und dabei die 10 dort liegenden Gemeinden durchquerte.

Hunderte Anwohner nahmen teil, zu Fuß, per Pferd, Fahrrad, Moped oder Auto.

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Das Ziel der Karawanne war es, der Problematik der Wasserknappheit in der Region Visibilität zu verleihen und die offiziellen Erklärungen zu entmaskieren. In den Medien wird die Wasserkrise mit der Trockenheit, dem Ausbleiben von Regen, dem Klimawandel begründet. Sicherlich sind es Faktoren, die ihren Teil beitragen, aber das Grundproblem ist kein klimatisches sondern sozial-ambiental und politischer Natur, angefangen bei der Entwaldung und Bodennutzung bis hin zum Bevölkerungswachstum und zur ungleichen Verteilung der Wasserressourcen, willkürlicher Urbanisierungsprojekte und dem Fehlen einer integralen territorialen Planung mit Partizipation der Bevölkerung. (Ich schrieb in vorherigen Berichten bereits über die Situation).

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Es war auch eine Einladung zur regionale Vereinigung, gemeinsam über die Wichtigkeit des Kollektiven zu reflektieren und sie in Praxis umzusetzen, gemeinsam zu handeln-und ein Projekt mit einer sozial-ambientalen und partizipativen Vision bezüglich der Territorialität zu stärken, eine Einladung, die von vielen angenommen wurden.
Jede Gemeinde hatte künstlerische und kulturelle Interventionen organisiert.

mil grullas

 

 

 

 

 

 

In einer der Gemeinden kamen die Bürger zusammen um 1000 Origami Papier-Kraniche zu falten, nach einem japanischem –Brauch: 1000 Kraniche für einen Wunsch: „dass der einheimische Wald am Leben  bleibt“,

grullas cruzada

In einer anderen Gemeinde musizierten Kindergärten und Musikschule, in einer wiederum anderen wurde ein Mural- eine Wand zur Thematik bemalt.

Es gab Führungen zum Erkennen und Nutzen von regionalen medizinalen Pflanzen, lokale Bands und Tanzgruppen traten auf, andern Orts wurden hunderte Stecklinge einheimische Bäumarten, die vom Aussterben bedroht sind, gepflanzt.

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Die Aktion hat alle Erwartungen übertroffen. Mit der Cruzada entstand dieser Raum der Artikulation, mit großer Teilnahme an diesem so interessanten Prozess, an dem sowohl die lokalen Problematiken Ausdruck finden konnten, die die Bürger Tag für Tag in ihren Gemeinden leben und gleichzeitig auf regionaler Skala gedacht werden konnte, wie man die Konflikte bezüglich des Wassers und des Landes lösen kann. Wasser, Wald und  Boden lassen sich nicht durch Gemeindegrenzen fragmentieren oder trennen und brauchen gleichzeitig Strategien auf Gemeinde, Provinzialer und Nationales Ebene. Mit der Karawanne liessen sich diese Räume artikulieren.

Alle lokalen und sogar ein nationaler Fernsehsender berichteten, die Karawanne schaffte es auf mehrere Titelseiten. Universität, Politiker und Ministerien haben bereits Vorschläge gemacht und Anfragen gestellt. Das Netzwerk „Coordinadora Ambiental y de Derechos Humanos“ hat sich in sich gefestigt und wächst und wächst von innen heraus und ist nach außen zu einem zu respektierendem kollektiven Akteur gediehen, mit einer klaren Identität und konkreten Forderungen.
In diesen Tagen werden konkrete Vorschläge und Forderungen sowohl in jeder Gemeinde als auch der provinzialen Regierung eingerecht (wie beispielsweise die Deklarierung von Naturreservaten und Nationalparks und gleichzeit die Forderung nach einem partizipativen territorialen Ordnungsplan der gesamten Zone, um den willkürlichen Urbanisierungsprojekten für Eliten die Grenzen zu weisen.

Zum Schluss noch ein kleiner visueller Eindruck vom ersten Tag:

www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=fvZ5tYydApw

und für die spanischsprachigen, die noch nicht genug haben, hier noch die Broschüre die ich für die Coordinadora zusammengestellt habe:

CARTILLA COADDHHSCH VERTICAL