Archiv | Oktober, 2012

Projektstand

22 Okt

BELEN:
Der allgemeine Gemütszustand der Gemeinde ist weiterhin labil und sehr von äußeren Umständen beeinflusst und abhängig. War es im August die Wut, die der Tod von den zwei Kindern an Leukämie ausgelöst hatte, die die Notwendigkeit einer Gesundheitsstudie in Verbindung mit der Mine in der Vordergrund rückte und die Menschen zur aktiven Mitarbeit motivierte. So war es nun der von Minenbefürwortern, niedergebrannte Versammlungsort der Asamblea im Nachbarort, vor zwei Wochen, der diesen Funken wieder im Keim erstickte. Die Angst sich in Aktivitäten zu involvieren, die direkt mit dem Thema Goldmine in Verbindung stehen überschatten wieder die Arbeit in Belen, von daher gibt es keine konkreten Fortschritte bezüglich der Gesundheitsstudie. Dennoch, das Projekt steht und wartet bis die Zeit reif dafür ist.
Gemeinsam mit der Gemeinde, mit Hilfe von Ärzten und durch Gesundeheitsstudien die in ähnlichen Umfelder realisiert wurden, ist ein Analyseschema entstanden, dass die integrale Gesundheitssituation in verschiedenen Teilbereichen darstellt.

Körperliche Gesundheit:
Krebs, Leukämie, Atemwegserkrankungen, Hauterkrankungen, Schwermetalle im Blut und Urin, Frühgeburten, spontane Schwangerschaftsabbrüche, Missbildungen bei Neugeborenen, Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom, Nierenerkrankungen.

Gemeinschaftliche Gesundheitssituation:
-Fragmentierung der Gemeinde, Konfrontationen zwischen Bürgern (pro und kontra Mine)
– Zerstörung des Gemeindegefühls, des sozialen Miteinanders, der Harmonie in der Gemeinde
-Häusliche/intrafamiliäre Gewalt/ ansteigende Gewaltsituationen (vor allem) in Familien mit Mitglieder, die in der Mine Arbeiten
-Alkoholismus
-Prostitution
-“con la llegada de grandes capitales y de gente de afuera se generaron actividades y costumbres ajenas a esos territorios.”

Psycho-soziale Gesundheit der Gemeinde:
– Angst aktiv und öffentlich an Aktivitäten teilzunehmen, die Meinung bezüglich der Mine zu äussern -> Angst vor Vorurteilen, Rumor, gestempelt zu werden, Angst den Arbeitsplatz zu verlieren
-Zunkunftsangst
-Verfolgungsangst

Außerdem ist die Studie nicht Selbstzweck sondern eben auch ein Mittel, Weg und Auslöser, bei dem sowohl die Studienergebnisse, als auch die Arbeitsmethode, (systematisch die Daten, bei Haus-zu-Haus Befragungen zu erfassen), grad in den Hintergrund rücken.
Ich denke was wichtig und essenziel in unserem Projekt ist, ist eben diese Möglichkeit der Flexibilität. Meine regelmäßige Anwesenheit vor Ort und der enge Kontakt zur Gemeinde, ihren Bedürfnissen, der Kompromiss mit den Bürgern und ihren Prozessen, stehen über den Anforderungen, spezifische Daten präsentieren zu einem bestimmten Zeitpunkt präsentieren zu müssen, die verhindern würden auf die Gemeinde einzugehen.

So haben wir die mögliche Zusammenarbeit mit einer NGO aus Catamarca wieder abgebrochen, da sie nur an Ergebnissen, nicht aber an den lokalen Prozessen interessiert war und auch nicht auf sie eingehen wollte.
Viele der in der Gesundheitsstudie enthaltenen Themen, werden nun Stück für Stück erarbeitet. Und im Vordergrund steht: die Gemeinde von innen zu stärken.
Die Aufmerksamkeit wendet sich auch anderen Themen zu, die nicht direkt die Mine betreffen. Beispielsweise rückten, bei der Untersuchung der lokalen Verteilung der Krebserkrankten, die PVC enthaltenden Hochspannungskästen, die ins Auge. Diese sind zwar offiziell längst verboten, eben weil sie krebserregend sind, werden aber weiterhin in Belen benutzt. Nach den bisherigen Untersuchungen, fällt auf, dass sich die Krebsfälle in der direkten Umgebung der Kästen häufen. Erste Forderungen an die örtliche Regierung sind formuliert diese Kästen zu entfernen. Antwort gibt es noch keine.
Ende September haben wir ein dreitägiges Genderforum organisiert. Vorträge, Arbeitsgruppen, Kampagne, Diskussionsrunden, Workshops, Filmabende und natürlich zum Abschluss una gran fiesta! Es ging um Gender im allgemeinen, kulturelle Faktoren, Politik, sexuelle und reproduktive Rechte, Gewalt in Institutionen, Politik und natürlich im privaten Bereich, HIV, Familienplanung und, und, und. Wissenschaftler, Aktivisten, Betroffene aus verschiedenen Teilen des Landes steuerten ihre Beiträge zu oder hielten ihre Vorträge und Workshops.
Ich hatte es neben meinem Schwerpunktthema „Gewalt“, gewagt Materialien vorzubereiten zum Thema Abtreibung. In Argentinien sind Abtreibungen rechtlich verboten. Dennoch werden sie praktiziert, oft mit äußerst gefährlichen und nicht professionellen Methoden und ohne sanitäre Konditionen, beispielsweise mit Stricknadeln, Einläufen mit chemikalischen Substanzen etc. Eine hohe Sterberate und irrevertible Gesundheitsschäden sind die Folgen.
„Misoprostol“, ist wohl eines der sichersten Medikamente, mit dem Frau alleine zu Hause abtreiben kann, es wurde sogar von der Weltgesundheitsorganisation dazu anerkannt und kommt besonders in Lateinamerika zum Einsatz. Dennoch ist die Information um dieses Medikament wenig verbreitet. Es ist günstig in Apotheken zu erhalten und birgt kaum sekundäre Gesundheitsrisiken.
In dem Fall, dass es dennoch zu Komplikationen kommt, ist es nicht nachweisbar ob der Schwangerschaftsabbruch, herbeigeführt wurde oder natürlicher Art ist. Was einen großen Sicherheitsfaktor für die Frauen darstellt, um einen Arzt aufzusuchen (da sie keine Angst haben braucht man könne ihr nachweisen bewusst die Abtreibung herbeigeführt zu haben und sie daher auch keine Anzeige/Gefängnisstrafe zu fürchten hat).
Ich hielt es für notwendig über diese Methode aufzuklären, da es auch in Belen in den letzten Jahren zu mehreren Todesfällen in Folgen von häuslichen Abtreibungen kam. Gleichzeitig erarbeiteten wir Strategien die rechtlich gesicherte, aber effektiv nicht stattfindende, Ausgabe kostenloser Verhütungsmittel einzufordern.
Seit drei Jahren gibt es ein gutes Gesetz, laut dem Sexualkunde ein Pflichtfach in den Schulen sein muss, in dem die Sexualität in ihren körperlichen, affektiven und sozialen Aspekten behandelt werden soll, und zwar in allen Klassenstufen. Unter Lehrern löste es Panik aus, Sexualität bleibt ein Tabuthema, Aufklärung findet in den meisten Familien nicht statt und viele Lehrer wissen nicht, wie sie mit den Kindern und Jugendlichen über die Thematik arbeiten können. Daher werden Lehrerfortbildungen veranstalten, die auf diese Aufgabe vorbereiten sollen, in Belen werden diese Fortbildungen von Nonnen eines erzkonservativen Ordens geleitet. Das kam während des Genderforums ans Licht. Worauf hin wir nun eine Forderung an das Bildungsministerium gestellt haben, andere Fortbilder zu schicken.
Ein anderes Thema, das Künstlerwochenende steht wieder an. Lange haben wir überlegt ob dies Jahr die nötigen Kräfte und finanziellen Mittel vorhanden sind, um es zu organisieren. Aber dann stand fest, es war ein so großer Erfolg im letzten Jahr und außerdem brauchen alle eine wohltuende Aktivität für Geist und Seele, Freude, Lachen und kreatives Schaffen! Nur haben wir es in diesem Jahr auf Dezember verschoben.
Denn ich bin hier in Córdoba bis Ende November voll eingespannt, aber dazu mehr beim nächsten Mal.

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ZEIT- Artikel

14 Okt
Ein nett geschriebener und autentischer Artikel, der vor kurzem in der ZEIT erschien. Es freut und erschreckt mich gleichermasser mich, dass das Thema in den ausländischen Medien so viel Aufmerksamkeit gewinnt, während es hier kaum aufgegriffen wird. Die internationale Aufmerksamkeit und Druck werden, sicherlich ein tragende Rolle spielen um die untragbare Situation auf Dauer nicht mehr aufrecht halten zu können.

Argentinien Das Gift aus den Bergen

( Von Christoph Gurk)

In Lateinamerika mehren sich die Widerstände gegen den Minen-Boom – ein Besuch in Argentinien.

Der Weg zur Würde ist steinig und beginnt kurz hinter Famatina, einem Dorf in der Provinz La Rioja, in Nordargentinien. Wie ein Lineal durchschneidet die Landstraße hier die karge Hochebene. Steine, Sträucher, Kakteen, dann ein Wegweiser, »La Dignidad« steht darauf, »die Würde«, bitte links abbiegen.

Am Ende der Schotterpiste sitzt Carina Díaz Moreno und isst Kanincheneintopf von einem Plastikteller. Sie ist Sportlehrerin, 37, und war schon gestern hier, genauso wie vorgestern und all die Tage zuvor. Fragt man sie, wann sie eigentlich zu Hause ist, atmet sie tief ein und sagt: »Wenn ich es schaffe.«

La Dignidad haben sie das Camp getauft, das sie neben der Straße errichtet haben. Es ist Mittag, die Sonne scheint, in der Gemeinschaftsküche gibt es Essen, zwischen Zelten stromern Hunde. Eine Brise zupft an den Transparenten, die überall hängen. »El Famatina no se toca« steht darauf: Finger weg vom Famatina. So heißt nämlich nicht nur das Dorf, so heißt auch das 6250 Meter hohe Bergmassiv, dessen schneebedeckte Gipfel hinter den Zelten in die Wolken ragen, eine Wand aus Stein mit einem Panzer aus Eis. Um Famatina zu schützen, blockieren Carina Díaz Moreno und ihre Nachbarn seit Januar die Schotterstraße.

Der Grund: 2011 unterschrieb der kanadische Bergbaugigant Osisko einen Vertrag mit der Minengesellschaft der Provinz La Rioja. Auf 40 Quadratkilometern darf er nun das Gold von Famatina schürfen. Im Gegenzug verspricht das Unternehmen Arbeitsplätze, Infrastruktur und Steuern – eine große Chance, sagen Politiker. Ein schlechter Tausch, sagt Carina Díaz Moreno.

Gold, Silber, Kupfer, Zinn: Der Preis solcher Metalle ist in den vergangenen Jahren an den Weltmärkten emporgeschnellt. Das hat Lateinamerika einen einmaligen Rohstoffboom beschert. Ein Riesengeschäft – von Feuerland bis Mexiko empfängt man Bergbaufirmen jetzt mit offenen Armen, plant gigantische Bergwerke. Chile ist heute der größte Kupferproduzent der Welt, Brasilien ist drittgrößter Eisenexporteur, und aus Peru kommt ein Großteil allen Silbers.

Carina Morenos Familie wohnt seit vier Generationen in dem Dorf Famatina. Kleine Häuser, staubige Straßen, 6.000 Einwohner. Viele leben von der Landwirtschaft, von Nussbäumen. Gerade ist Erntezeit, die Schalen haben die Hände der Bauern blau gefärbt. Die Region ist dünn besiedelt, es mangelt an Geld, einen Schatz, meint man, könnten sie hier gut brauchen. Doch stattdessen sagt die Frau: »Der Kampf ist ein Teil unseres Lebens geworden.« Schon einmal, 2007, wurden sie und ihre Nachbarn von einem Bergbauunternehmen vertrieben. Finger weg vom Famatina.

Es gibt inzwischen viele Famatinas in Lateinamerika. In Peru, Ecuador, Paraguay, Chile – überall protestieren Menschen gegen Minen. Mehr als 160 Konflikte listet die Organisation Observatorio de Conflictos Mineros zurzeit für Lateinamerika auf, die meisten sind vor zehn bis 15 Jahren ausgebrochen. Seitdem haben sich Bauern, Nachbarn und Ureinwohner in den betroffenen Regionen zu Organisationen zusammengeschlossen. Sie sind über das Internet vernetzt, und so bildet sich eine immer breitere Front gegen den Bergbau.

Nun ist Bergbau nicht gerade neu in diesen Breitengraden. Schon die Inkas bauten Gold und Silber ab, dann kamen die Spanier und danach internationale Konzerne. Es gibt Dörfer, in denen bereits die Großeltern in den Minen schufteten. Doch etwas hat sich verändert.

Man muss zurück, über die Schotterpiste und dann nach rechts, 30 Kilometer, bis nach Chilecito. Dann kann man erfahren, wie es früher war. Dort, in den Hügeln über der Stadt, verrosten die Stahlstreben von Bleichert & Co. 1903 baute die Leipziger Firma im Auftrag der englischen Famatina Development Company die damals längste Kabelseilbahn der Welt, 35 Kilometer, von Chilecito bis zur Mine La Mejicana, auf 4.600 Metern. Jeden Tag wurden 400 Tonnen Gestein aus den Stollen tief im Berg geschafft.

Doch das ist lange her, die Mine ist nun eine Touristenattraktion. Bergbau in Südamerika funktioniert heute anders. Wie? Auch das ist zu besichtigen. Nach der Schotterpiste biegt man links ab, 300 Kilometer sind es bis zur Mine Bajo de la Alumbrera. Hier werden seit 1997 Kupfer und Gold abgebaut. Statt mühsam Stollen in den Berg zu graben, sprengen die Betreiber ihn einfach von oben her ab. 330.000 Tonnen Gestein werden jeden Tag verarbeitet, mehr als 800-mal so viel wie einst in La Mejicana.

18 Bergwerke sind in den vergangenen Jahren in Argentinien in Betrieb gegangen, und in zwei Dritteln von ihnen wird wie in Bajo de la Alumbrera über Tage gearbeitet. Auch in Peru, Chile und anderswo entstehen fast nur Tagebauminen.

Das hat Folgen. Ein paar Dutzend Kilometer von Bajo de la Alumbrera entfernt, am Fuß der Berge, liegt Andalgalà 18000 Einwohner, einstöckige Häuser, die Hitze hat das Leben langsam gemacht. Vor dem Haus von Sergio Martinez muss man klatschen, eine Klingel gibt es nicht. 42 ist er, grauer Kinnbart, schmächtiger Körper, ein Medaillon der Mutter Gottes um den Hals.

»Als die Mine kam«, sagt er, »haben sich hier alle gefreut.« Wegen der 6.000 Arbeitsplätze, die man versprach, der neuen Straßen, des Krankenhauses und der großen Zukunft. Doch wenig davon kam. »Maximal 70 Personen aus Andalgalà arbeiten heute in der Mine«, sagt Martinez, »und das Krankenhaus kann nicht viel mehr als Erste Hilfe.«

Es gehe ihm jetzt, sagt Martinez, ums Überleben. Seit Jahren kämpft er gegen die Mine, mittlerweile ist er Umweltsekretär von Andalgalà. Martinez spricht ruhig und eindringlich, wie ein Arzt, der eine tödliche Krankheit erklärt. In modernen Minen wie Bajo de la Alumbrera, sagt er, werde das Gestein nicht mehr per Kabelseilbahnen ins Tal geschaukelt. Die Brocken werden zu Pulver zermalmt und mit Wasser verrührt. Dieser Gesteinschlamm wird dann durch Pipelines zu Filteranlagen gepumpt.

Martinez hat einen kleinen Garten. An einem Holzgerüst wächst Wein, dicke Trauben, dunkelblau und süß, er muss die Pflanzen jeden Tag gießen. Früher, sagt er, habe es hier 16 Kellereien gegeben. Heute sei es nur noch eine, denn die meisten Bauern hätten Wasserprobleme, seit es die Mine gibt. Martinez wohnt in einem einstöckigen Haus, die Jalousien sind heruntergelassen, er hat gerade erst Siesta gemacht. Es ist düster, in der Küche summt der Kühlschrank, im Spülbecken stapelt sich Geschirr. Früher, sagt Martinez, konnte man das Wasser aus dem Hahn trinken.

Um das Metall herauszulösen, wird der Gesteinschlamm oft mit Chemie verrührt. Bei Gold ist das meist Zyanid. Wie giftig die Chemikalie ist, zeigt das Beispiel Baia Mare in Rumänien: Dort brach im Frühjahr 2000 der Damm eines Beckens mit Minenrückständen, Zyanid strömte in die Flüsse, es kam zu einem gigantischen Fischsterben.

Die Firma behauptet: Bajo de la Alumbrera trenne das Gold und das Kupfer mechanisch ab. Aber stimmt das? Kurz nach Eröffnung schon kamen die ersten Beschwerden von Bewohnern eines nahen Dorfes. Sie sagten, die Mine habe ihren Fluss vergiftet. Wahr oder hysterisch?

2010 veröffentlichten vier Ärzte aus Andalgalà einen Bericht. Fünf Jahre lang hatten sie das Auftreten von seltenen Krankheiten in der Stadt untersucht: Überdurchschnittlich oft kamen Knochenkrebs, Multiple Sklerose und Atemwegserkrankungen vor. Alle seien auf Bajo de la Alumbrera zurückzuführen. Immer wieder gab es Klagen gegen die Minenfirma, mal wegen Verschmutzung und mal wegen Betrug, bisher lehnten Gerichte alle ab.

Fragt man die Vereinigung der Minenbetreiber in Buenos Aires nach diesen Dingen, geben sie geschliffene, selbstbewusste, auf ihre Weise auch wiederum überzeugende Antworten. Umweltprobleme und Gesundheitsschäden? Sie drücken einem Studien in die Hand, die das Gegenteil belegen. Die Unzufriedenheit der Menschen, die enttäuschten Hoffnungen, die fehlenden Jobs? Startprobleme. Kleine Hindernisse auf dem Weg zum Reichtum.

In Famatina protestieren heute nicht mehr alle. Kürzlich noch hatten Bewohner einen Manager der Minenfirma beim Besuch ihres Dorfes entdeckt. Sie schlugen Alarm, der Pfarrer läutete die Glocken, alle kamen zum Hauptplatz: Finger weg vom Famatina! Eilig reiste der Manager wieder ab, dabei verlor er eine Liste, handgeschrieben, mit den Namen der wichtigsten Minengegner, ihrem Beruf, Alter und Arbeitsplatz.

Auch Carina Díaz Moreno war aufgeführt, als »Anführerin«. »Bei einigen war vermerkt, ob sie einer Partei angehören«, sagt sie, »bei anderen, ob man sie mit Entschädigungen kaufen könnte.« Seit einiger Zeit, sagen die Bewohner, würden Leute an Türen klopfen und Kühlschränke oder Geld verschenken. »Man muss nur unterschreiben, dass man für die Mine ist«, sagt Díaz Moreno.

Wer die Geschenke verteilt, wissen sie nicht, dafür aber, wer sie angenommen hat. »Soziale Verschmutzung« sei das, sagt Díaz Moreno. So wie Chemie Gestein und Metalle trennt, droht das Minenvorhaben, die Dorfgemeinschaft aufzulösen. An der Straßensperre ist es schon zu Streit gekommen – zwischen Nachbarn, die einen für die Mine, die anderen dagegen.

(Quelle: die ZEIT vom 27.09.2012 , Nº 40)