Archiv | August, 2012

Abseits der Gesundheitsstudie…

27 Aug

Die Kommunikation über so grosse Entfernung und ohne regelmässigen persönlichen Kontakt, stellt sich als nicht immer ganz einfach dar. Meine Berichterstattung weist ja auch immer gern mal wieder Lücken und Pausen auf und hat sich in den letzten Monaten hauptsächlich um die Gesundheitsstudie gedreht und lässt wohl erscheinen als sei diese die einzigste momentane Aktivität. Dem ist jedoch nicht so, auch wenn die Gesundheitsstudie sicherlich gerade den roten Faden darstellt.

Abseits der Gesundheitsstudie tut sich einiges und ich wollt euch heute berichten, was sonst noch so alles hier geschehen ist in den letzten Monaten. Besonders auch für die neu-zum Projekt zugestoßenen, damit ihr euch ein genaueres Bild von meinen Tätigkeiten hier machen könnt.

Ein bis zweimal im Monat bin ich im 700 Kilometer entfernten Catamarca, wo sich meine Arbeit in den Berggemeinden konzentriert. Ich arbeite viel mit themenspezifischen Workshops, bei denen das Thema der Goldminen nicht immer direkt im Mittelpunkt steht, sondern Bedürfnisse und Interessen Eingang finden, die von den Gemeinden ausgehen. Diese stellen Fenster dar, die auf der einen Seite neue Ausblicke auf ein anderes Miteinander in der Gemeinschaft ermöglichen, und auf der anderen Seite auf Missstände hinweisen, die ins Bewusstsein wachsenen und so zum greifbaren Thema werden, und für die sich konkrete Lösungsansätze erarbeiten lassen. Derzeit sind wir mit der Organisation eines dreitägigen Gender-Forums beschäftigt, das im September stattfinden wird. Wir haben auch eine regionale, monatlich erscheinenden Gemeinschaftszeitschrift gegründet, an deren Produktion bis jetzt vier Gemeinden beteiligt sind. Im Juni ging der erste kommunale Radiosender in Belen ans Netz. Die Gemeinde hatte nach den Protestaktionen des Sommers einen Sender als Spende erhalten. Die Antenne musste her und das notige technische Know-how. Ich schlugen also Belen für eines, der alle paar Monate stattfindenen Treffen, des Nationalen-Netzwerks-Unabhängiger-Medien vor und sie kamen. Zwei Tagen lag gab es unterschiedliche Workshops zu Themen wie Installation von Antenne und Sender, Gestaltung von Radioprogrammen, die Rolle der Medien in der heutigen Gesellschaft etc.

Mit der Zeitschrift und dem Radio sind zwei wichtige Werkzeuge entstanden um den Meinungsbildungsmonopolen etwas entgegenzusetzen, die dominanten Diskurse zu demontieren und zu entkleiden. Es geht aber nicht nur um die alternative Berichterstattung, sondern sie dienen als Sprachrohr für die, in den Medien unterrepräsentierte Gruppen. Gleichzeitig schaffen sie neue Räume für die demokratische und politische Partizipation, transportieren und fördern kulturelle Identität, Meinungsvielfalt, Kommunikation, Diskussion und Integration im lokalen, regionalen und nationalen Raum und dient somit der Vernetzung.

Nach den intensiven Sommermonaten in Catamarca, dem Bedürfnis nach ein bisschen Abstand und der anstehenden Forschungs- und Kontaktknüpfarbeit für die Gesundheitsstudie, verbrachte ich erst mal mehr Zeit in Córdoba. Dort begann ich wieder mehr Aktivitäten in den Bergen Córdobas in die Arbeit mit aufzunehmen. In der Region herrscht seit einigen Jahren Wassernotstand, angefangen mit der Entwaldung zur Landgewinnung für den Sojaanbau und mittlerweile gibt es noch dazu zunehmend willkürliche Urbanisierungsprojekte, (private, eingezäunte Reichenviertel, Golfplätze, Hotelkomplexe für die Oberschicht etc., die alle samt einen so hohen Wasserkonsum haben, dass das Wasser für die weiter im Tal gelegenden Gemeinden nicht mehr ausreicht). Schon seit zwei Jahren habe ich immer wieder mit einzelnen Gruppen und Gemeinden gearbeitet nun war es Zeit ein Netzwerk aufzubauen.

kollektive Konstruktion von Problematik-Karten in der Bergregion  Cordobas

Die „Coordinadora Ambiental y de Derechos Humanos de las Sierras Chicas“ wurde gegründet und gedeiht zu einem sich selbsttragenden aktiven, kreativen Netzwerk. Die Arbeit mit der Coordinadora macht mir viel Freude, die Gruppen sind motiviert, voller Energie, Idealen und Ideen. So konnten wir in diesem Jahr auch das nationale Netzwerk organischer Produzenten stärken und ausweiten und es sind nun schon drei jährliche Lieferungen auf Landesebene möglich, parallel finden Samen-Tauschmärkte statt.

Ein großes Erfolgserlebnis gab es letzte Woche in Córdoba zu feiern. Den ganzen Monat hatte die erste Gerichtsverhandlung gegen die Flugzeug-Verräucherungen (fumigaciones) von Pflanzenschutzmitteln  Monsantos (roundup, glyphosat) gedauert! Am Ende wurden die drei Angeklagten schuldig gesprochen und die Verräuerungen, das erste Mal in der Geschichte Lateinamerikas als Verbrechen deklariert.

Fortsetztung….

6 Aug

Ich hatte einen weiteren Workshop vorbereitet, nahm mir zwei Tag,  zog durch die Viertel, klopfte an die Haustüren, suchte das persönliche Gespräch um zur Aktivität einzuladen, Zweifel, Fragen und Ängste direkt beantworten zu können. und es wirkte, nicht nur, dass die kurzen und längeren Gespräche intensiv und interessant waren und viele neue Themen zur Sprache kamen, sondern auch zum Workshops erschienen mehr Menschen, als je zuvor. Und am Ende des Tages, war die Strategie geboren und die Menschen, begeistert, drückten ihre Freude aus, eigenes „Wissen“ produzieren zu können, ohne von externen Forschern oder Spezialisten abhängig zu sein, die ohne die Realität der Gemeinde im Tieferen zu kennen und zu verstehen  ihre Forschungsarbeit durchzuführen.

Beim folgendem Besuch wurde eine Liste mit den Krebsfälle der letzten Jahren erstellt. Es erschreckte uns alle,  die Anzahl jungen (unter 30 jähriger) Menschen, die an Krebs erkrankt oder gestorben waren.

Verschiedene Themenbereiche für die Studie wurden  definiert, in denen der Gesundheitszustandes der Gemeinde beobachtet, beschrieben und analysiert werden sollte (körperliche gesundheit, psycho-soziale Gesundheit und gemeinschaftliche Gesundheit).

Es wurden Referenten für jeden Stadtviertel ernannt um dort in kleien Gruppen mit den Nachbarn zu arbeiten.