Archiv | Januar, 2012

Einblicke und Aussichten

29 Jan

Aus dem täglichen Leben Eindrücke und Aussichten

Ich stehe im Garten vor Juanjos Haus. Bei Juanjo wohne ich wenn ich hier in Belen bin. Der Blick aus dem Haus gibt eine wunderschöne Aussicht auf die Bergkette, die das Tal säumt in dem Belen liegt und auf den Fluss, oder besser gesagt auf das ausgetrocknete Flussbett, seit Jahren führt er fast kein Wasser mehr, etwa genau seitdem die Mine La Alumbrera inbetrieb genommen wurde.

Dann fährt plötzlich dröhnend eine Kolonne von Lastwagen zwischen Haus und Bergen hindurch, beladen sind sie mit Lebensmitteln, Kalk, Sprengstoffen, Zyanid, anderen Chemikalien, was genau transportiert wird weiss keiner so genau, es ist nur die Aufschrift „ gefährliche Substanzen zu lesen“ . Es sind die Laster die zu den Minen „La Alumbrera“ und „Agua Rica“ hinauffahren.
Mir fällt auf wie viel grüner der Garten ist im Gegensatz zu den meinen vorherigen Besuchen, obwohl Juanjo jeden Abend seinen trockenen Garten wässerte. wenn ich ihn fragte warum alles trotzt des Gießens ausgetrocknet ist erzählte er, es liegt an der Belastung des Trinkwassers von Belen, dass die Pflanzen sterben. Die Regenzeit hat begonnen. Vielleicht hab ich ihm bisher nie wirklich seine Theorie abgenommen. Jetzt wo es regnet, er nicht mehr wässert und alles grün ist, fange ich an es zu glauben.
Seit Wochen herrscht ein Energie- und Wasserkriese in Belen, täglich fallen Strom und Wasser für viele Stunden aus. angeblich liegt es am Wetter, eine offizielle glaubhafte Erklärung gibt es nicht, bedenkt man, dass die Mine täglich 1 Million Liter Wasser verbraucht und ihr Stromkonsum grösser ist, als der der ganzen Provinz und bei der Alumbrera fallen weder Strom noch Wasser aus.
Dies ist einer der Momente wo mir wiedermal die Dimension und Ausmasse bewusst werden, die die Minen in der Region hinterlassen. ich guck in meinen Matebecher und nehme mir vor ab morgen Mineralwasser zu kaufen, anstatt das Leitungswasser, (wenn es es gibt,) zu konsumieren, denn es sind ja nicht nur die Pflanzen, die hier sterben, Belen ist einer der Orte mit der höchsten Krebsrate im Land. Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht, denn die Krebsabteilungen in den Krankenhäusern der Provinz, wurden geschlossen, zufällig zeitgleich mit der Inbetriebnahme der Mine. Die Krebspatienten müssen von daher in andere Provinzen reisen und so gibt es keine lokalen Statistiken.

Aussichten
Anfang Januar fand das Regionaltreffen des Jahres statt. Etwa alle drei Monate findet solch ein Treffen statt. Vertreter aus verschiedenenen Gemeinden der Andenregion, kamen zusammen um das Panorama in den verschieden Orten zu analysieren und gemeinsame Positionen zu definieren, Strategien und Aktionen zu planen und zu koordinieren.
Die Hauptthemen waren:
1)Das neuerlassenende Anti-Terroristen-Gesetz
2)Der Regierungswechsel
3)Verdacht der baldigen Inbetriebnahme der Mine Agua Rica (trotz Richterlichem Verbote)
4)die hohe Krebsraten in der Region.

Für mich kristallisierten sich bei diesem Treffen auch gleichzeitig meine Aufgaben für die nächsten Monate.
Bezüglich des Regierungswechseln, werde ich gemeinsam mit lokalen Akteuren eine Bildungs und Informationskampañe für die neuen Funktionäre organisieren. Viele der neuen Regierungsangestellten sind junge, noch nicht in den Netzten der Korruption verwickelte Menschen, ohne klare Position in Bezug auf das Thema der Megaminen, einige haben sich offen für den Dialog gezeigt nach Informationen gefragt. Ich werd in den kommenden Wochen das Material zusammenstellen, mit verschiedenen Schwerpunkten je nach Stelle/o, die im Staatsapparat übernommen wird. Anschliessend sollen auch öffentliche Bürgerforen organisiert werden.

Bezüglich des Anstiegs der Krebsraten, habe ich schon seit langen geplant eine Bestandsaufnahme der Krebsfälle in der Gemeinde durchzuführen. Da es keine offiziellen Statistiken gibt. Die Arbeitsmethode, ist mir aus der Zusammenarbeit mit der Landlosen-Bauernbewegung bekannt, mit der wir Bestandsaufnahmen über die Folgen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in Sojomonokultur-Regionen realisiert haben.
Durchgeführt wird die Studie, von einer Gruppe Bürgern aus der jeweiligen Gemeinde, die im Vorfeld für die Aufgabe geschult werden. Bei Haus zu Haus besuchen, werden die primären und sekundären Folgeerkankungen aller Familien der Gemeinde registriert.

Bisher war es schwierig die Bürger und Gruppen für das Projekt zu gewinnen.
Lange hab ich auch nach einer Trägerorganisation gesucht, die das Projekt symbolisch durch ihren Namen unterstützt und ihm damit öffentliche Anerkennung/Glaubwürdigkeit geben kann. Nun gibt es erste Annäherungen mit einer internationalen NGO. Und im Rahmen der aktuellen Blokadeaktion, wird die Notwendigkeit der Ergebnisse immer deutlicher.
Somit hoffe ich dass es bald losgehen kann.

Bezüglich der möglichen Inbetriebnahmen Agua Ricas, wurde beschlossen , ab dem 10 Februar eine koordinierte Blokadeaktionen entlang der Andenketten zu realisieren.
Aufgrund des Anstiegs der Minentransporte und der Medienaufmerksamkeit, die die seit Wochen aufrechtgehaltenede Blockade in Famatina ausgelöst hat, wurde beschlossen die Blokade in Belen vorzuziehen. Seit dem 20. Januar haben wir die Zelte auf der Ruta 40 aufgeschlagen und blockieren die LKWs, die zur oder von der Mine fahren.
Seit dem kümmere ich mich um das stoppen der LKWs, schreibe Pressemitteilungen, gebe Workshops, editiere Videos, gebe Radio interwies etc.

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Regionaltreffen von Bürgerinitiativen und Organisationen zur Verteidigung der Territorien

27 Jan
Am 7 Januar 2012 haben sich Mitglieder und Delegierte von 15 Organisationen aus 6 Provinzen in Belen zusammengefunden.  Während des Treffens wurde die konkrete sozial-ambientale-kulturelle, wirtschaftliche und politische  Realität der Bevölkerung und ihrer Territorien analysiert, die direkt von der Invasion der Megaminen-Projekten transnationaler Unternehmen betroffen sind. .
Es lassen sich die folgenden gemeinsamen Nenner finden:
–    der dramatische Mangel an Wasser für den menschlichen Konsum, Landwirtschaft und andere prioritäre soziale Zwecke.
–    -Die Energiekriese
–    Gesundheitlichen Schäden (Folgen der Kontamination der von Luft, und des Wassers, Nahrung) die vor allem die sozial anfälligen und armen Bevölkerungsschichten betreffen.
Die zugespitzte Wasser und Energiekrisen die diese Gemeinden treffen, stellen die inakzeptable Kehrseite des riesigen Konsums dieser strategischen Ressourcen von Seiten der Minenunternehmen dar. Die Der Anstieg schwerer Erkrankungen, wie Krebs, Atemwegs- und Hauterkrankungen, die allgemeine Schwächung der Gesundheit in den umliegenden Gemeinden, die Persistenz und Verschärfung der Armut, die klientelare Assistenzialisierung der wirtschaftlich ausgeschlossenen Bevölkerung, Zerstörung der lokalen und regionalen Wirtschaft und würdigen Arbeitsplätzen im Bereich Landwirtschaft, Viehzucht, Kunsthandwerk und das Fehlen von Zukunftsperspektiven, zeichnen das sozcial-kulturelle und -ambientale Szenarium,  das  die transnationalen Minen hinterlassen.
In der Deklaration heisst es:
„Vor der Verschärfung dieses Panoramas, verurteilen wir die Weiterführung dieses Wirtschaftsmodels und seiner Konsequenzen, dazu gehört auch eine tiefgreifende und strukturelle  Veränderung der Politik und Gesetzgebung. Wir klagen die gefaehrliche Wende der Gesetzgebung an, die mit der Sanktion des Anti-Terroristen-Gesetzes eingeschalgen wurde, der Gesetztesentwurf wurde von der GAFI[1] gestellt und vorangetrieben. Dieses Gesetz ist vor zwei Wochen in Kraft getreten und ermöglicht es, legitime soziale Proteste zu kriminalisieren, die sich gegen die Zerstörung, Kontaminierung und Ausbeute unserer Gemeindgüter erheben.
Hiermit drücken wir unsere tiefe Ablehnung gegen diese Gesetze und Politik aus und fordern die kommunalen, provinzialen und nationalen Autoritäten zur sofortigen Stilllegung der Megaminenprojekte, sowie zur Annullierung der perversen Gesetzgebung der 90 Jahre, die den Grundstein für die Invasion der transnationalen Minenunternehmen gelegt  hat.“
Als Teil dieses Treffens, haben wir regional koordinierte Blokadeaktionen geplant, mit dem  Ziel  die soziale Ablehnung zu manifestieren, die Verteidigung der Wasserquellen und der die Konstruktion eines  sozial-kulturellen Horizontes auf Basis der Nahrungs- und Energiesouveränität, die die  fundamentalen Grundpfeiler der politischen Souveränität und sozialen Gerechtigkeit darstellen.