Archiv | September, 2011

Lange Wege Nach Choya

24 Sep

Die Woche vom 9. bis 16. September verbrachte ich in Andalgala. Es fand ein Vor-Treffen für den „Ethischen Volksprozess gegen die transnationalen Unternehmen“ statt, an dem ich stellvertretend für Belen teilnahm, da keiner aus der Gemeinde zum Treffen fahren konnte. Der Prozess wird vom 23.- 25. September in Tucuman stattfinden.

Des weiteren stand ein Workshop in Choya an. Choya ist eine kleine Bauerngemeinde (80 Familien),  mit der ich seit mehren Monaten arbeite. Es fährt nur drei mal am Tag ein kleiner Bus von Andalgala dorthin, ich hatte ihn verpasst und mir blieb nichts anderes übrig als zu Fuss die 12 Kilometer die Staubstrasse hinauf zu laufen.


Die Anstrengungen hatten sich nicht nur wegen der schönen Aussicht gelohnt, sondern auch der Workshop verlief erfolgreich. Mit den Klein-Produktoren arbeitete ich über das Menschenrecht auf Wasser und die möglichen Konsequenzen, die die Inbetriebnahme der Mine Agua Rica verursachen kann.  Des weiteren erarbeiteten wir ein Konzept für eine Informationsbroschüre, die in der Gemeinde verteilt werden soll.

 


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Strategiewandel in Belen

22 Sep

Nach den viele Schwierigkeiten mit den Workshops, lag ein Strategiewandel in Belen nahe. Schon seit längerem spiele ich mit der Idee einer grösseren Kulturveranstaltung, es schien der richtige Moment. Der Vorschlag ein Zirkus und Künstler Wochenende zu veranstalten wird schnell und begeistert angenommen. Am ersten Novemberwochenende soll es stattfinden. Drei Tage lang wird es  verschiedene Workshops im Bereich Zirkus, Tanz, Musik, Kunsthandwerk sowie Varietees und Ausstellungen geben, mit einer Mischung aus lokaler traditioneller indigener Kunst und Kultur sowie zeitgenössischem.

Während der Organization und durchführung der Veranstaltung können die neue solidarischen Beziehungen in der Gemeinden entstehen und die bereits bestehenden wachsen und gestärkt werden.

Sand im Getrieben

12 Sep

Endlich, nach mehr als zwei Monaten komm ich beladen mit vielen neuen und alten Ideen, Plänen in Belén an. Freudige Begrüßungen, herzliches Wiedersehen mit den Leuten der Asamblea. Es fühlt sich ein bisschen an, wie zu Hause ankommen.

Geplant habe ich für die nächsten zwei Wochen mindestens vier Workshops, sowie verschiedene Strategien im Bereich der lokalen und regionalenVernetzung. Aber alles sollte ein bisschen anders kommen.

Ich muss wohl ein bisschen ausholen um die Geschichte zu erzählen. Vor  meinem Deutschland Aufenthalt, hatte ich eine Vereinbarung mit der Berufsschule Belens getroffen, mit den Umwelttechnik-Azubis zu arbeiten, geplant waren 5 Workshops:

1. Menschenrechte und Goldabbau in der Region,

2. das Grundrecht auf Wasser,

3. Selbstbestimmung der Völker,

4. Strategieplanung zur Einforderung/Verteidigung der verletzten Rechte

5. Auswertung der Strategien.

Der erste Workshop fand Ende Mai statt, auf spontane Anfrage von Schülern und Professoren, nahmen nicht nur die Umwelttechnik-Studenten teil, sondern fast die gesamte Schüler- und Lehrerschaft. Für mich eine Herausforderung, einen partizipativen Workshop mit mehr als 100 Teilnehmern zu gestalten, der mir im ersten Moment Schweißperlen auf die Stirn trieb, denn normalerweise arbeite ich mit Gruppen von 10-20 Teilnehmern. Aber dann lief alles gut, laut, kaotisch und bewegt ab, da ich mir die geplanten Gruppen Dynamiken und Lernspiele nicht nehmen lassen wollte.

Nun gut, der erste Workshop lief also gut und auch das Feedback, was ich bekam, schien genau das widerzuspiegeln. Um so verwunderter war ich nun als ich in Belen ankam, den Termin für den nächsten Workshop festlegen wollte und man mir mitteilte, man hätte entschieden das Projekt abzubrechen, ich sollte keine weiteren Workshops geben. Die Erklärung war, ich hätten den Schülern keine Möglichkeit gegeben, aktiv teilzunehmen.

Mit einem grossen Fragezeichen ging ich nach Hause, das schien alles keinen Sinn zu machen. Abends sprach ich mit den Leuten der Asamblea über den Vorfall und es kam raus, dass einer der Professoren (noch dazu, der des Umweltrechts) gleichzeitig Anwalt in „La Alumbrera“-der Goldmine war. Er hatte  an meinem Workshop teilgenommen hatte und daraufhin den Stopp meines Projektes veranlasst hatte. Also eine politische Entscheidung.

Damit war die Berufsschule also gestorben. Weitere Workshops sollten im Gemeindesaal stattfinden. Ich gab Interviews in den lokalen Radiosendern, stellte das Projekt vor, lud zur Teilnahme an den Workshops ein und hängte Einladungen in verschiedenen öffentlichen Räumen aus.

Es erschienen jedoch nur wenige Bürger zur Veranstaltung. Drei an Krebs erkannte Männer, die ihre Erkrankung und die vieler anderer Bewohner Belens mit durch die Mine verursachte Kontamination in Verbindung bringen. Es war auch eine Frau anwesend, ihr aus Lehm gebautes Haus, steht direkt an der Strasse über die täglich zig Schwerlasttransporter der Mine rollen. Wände und Dach haben bereits so grosse Risse, dass das Haus zusammen zu brechen droht. Sie berichtet, dass fast alle Häuser ihres Viertels durch die ständigen Erschütterungen der LKWs Risse aufweisen.